Logo des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.
Zwei Frauen und ein Kind mit einem Spielzeug auf dem Boden.

   

Wenn Bundesprogramm, Landesprogramm und Kommunalstrategie Hand in Hand gehen

Nicole Müller war im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ bis Dezember 2020 die Koordinierungs- und Netzwerkkraft und berichtet von den Anfängen einer Erfolgsgeschichte im Eifelkreis Bitburg-Prüm: „Wir sind im Bereich der Kita-Sozialarbeit vergleichsweise weit vorangeschritten, da wir bereits 2012 damit begonnen haben, Kitas in Familienzentren umzuwandeln.“ Über die Förderung des Landes Rheinland-Pfalz wurden mit dem Landesprogramm „Kita!Plus: Kita im Sozialraum“ seit 2012 bereits vier Kitas zu Kommunikations- und Nachbarschaftszentren bzw. Familienzentren umgestaltet. Seither ist der Landkreis davon überzeugt, dass genau dieser Weg der richtige Ansatz ist, um Familien mit Kindern erreichen und unterstützen zu können. Der Landkreis hat mit Eigenmitteln die Maßnahme ausgeweitet und zehn weitere Kitas in Kommunikations- und Nachbarschaftszentren umgestaltet.

Sozialpädagogisch geführte Eltern-Kind-Gruppen in Familienzentren

Als 2017 das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ startete, war das die Gelegenheit den Bereich der Kita-Sozialarbeit weiterzuentwickeln. So wurden mit dem Bundesprogramm in drei Familienzentren sozialpädagogisch geführte Eltern-Kind-Gruppen ins Leben gerufen. „Dass in den Kitas zusätzlich Sozialarbeitende herumflitzen, kennen die Erzieherinnen und Erzieher bereits“, berichtet Nicole Müller. Es wurden Referentinnen eingeladen, Seminarabende veranstaltet oder auch Erste-Hilfe-Kurse am Kind angeboten. Auch interessierte Schwangere konnten an den Gruppen teilnehmen.

Von den Angeboten profitieren auch die Kitas: Die Familien lernen frühzeitig die pädagogischen Fachkräfte kennen und die Kinder machen sich mit den Räumlichkeiten vertraut. Damit hat die Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern früher begonnen und die Eingewöhnungen der Kinder verliefen sehr gut. „Es war eine Vertrautheit da, von der die Familien und Kitas profitiert haben“, erklärt Nicole Müller.

Die Vorteile der Kita-Einstiegsangebote haben sich schnell herumgesprochen und die Nachfrage der Kitas im Landkreis wurde immer größer. Bereits während der Teilnahme am Bundesprogramm wurden die Eltern-Kind-Gruppen in den Kommunikations- und Nachbarschaftszentrum ausgeweitet. Aus drei wurden nun 14 Eltern-Kind-Gruppen, die über Kreismittel finanziert wurden. Finanziell hat hier auch die Landesförderung „Kita!Plus“ gegriffen, denn es fördert Angebote für die Gemeinschaft und die Ausweitung von Kitas als Nachbarschafts- und Kommunikationszentren.

Außerdem: Der Familienunterstützende Dienst für schnelle und niedrigschwellige Lösungen

Neben den Eltern-Kind-Gruppen gab es im Eifelkreis Bitburg-Prüm eine zweite Säule im „Kita-Einstieg“. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder oftmals nicht an Angeboten frühkindlicher Bildung teilnehmen, wenn Eltern in Problemlagen stecken“, berichtet Nicole Müller. So entstand gemeinsam mit dem Jugendhilfeträger die Idee des Familienunterstützenden Dienstes – einem niedrigschwelligen Angebot, das Familien unkompliziert und ohne Antragsstellung in Anspruch nehmen können. Der Familienunterstützende Dienst wurde an drei kooperierenden Kitas angedockt. Eingesetzt wurde er jedoch überall dort, wo er grade gebraucht wurde. Wenn nun Familien die Eltern-Kind-Gruppen besuchen und sich herausstellt, dass sie sich in einer Problemlage befinden, kann mit ihrer Zustimmung direkt der Familienunterstützende Dienst hinzugezogen werden - ähnlich wie eine sozialpädagogische Familienhilfe, nur ohne langfristige und komplizierte Antragsstellung. Die Fachkräfte vereinbaren fünf, maximal sechs Termine mit den Familien, um bedarfsorientiert zu unterstützen. Sie schauen auch, ob andere Beratungen oder Ämter hinzugezogen werden sollten wie beispielsweise die Suchtberatung oder das Jugendamt.

„Wir brauchten damals einfach etwas Schnelles und Unbürokratisches, das über die sozialpädagogische Beratung hinausgehen kann. Über das Bundesprogramm ‚Kita-Einstieg‘ hatten wir dann die finanziellen Mittel und Möglichkeiten“, berichtet die ehemalige Koordinierungs- und Netzwerkkraft. Das Modellprojekt im „Kita-Einstieg“ hat sich bewährt. Es gibt nun ein Fachleistungsstunden-Budget für alle 14 Familienzentren, im Rahmen dessen der Familienunterstützende Dienst frei eingesetzt werden kann, wo er gebraucht wird. Nicole Müller: „Da wo die Kolleginnen und Kollegen früher aufhören mussten, können sie jetzt weiterarbeiten“.

Kita-Einstieg: Durch Vernetzung zur Verstetigung 

Während der Teilnahme am Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ war Nicole Müller nicht nur die Koordinierungs- und Netzwerkkraft. Sie ist auch Jugendhilfeplanerin und in der Koordination Frühe Hilfen und Kinderschutz tätig. Dadurch konnte sie ab und an im Jugendhilfeausschuss, bei Amtsleitungsrunden oder Fachbereichsleitungsrunden von den beiden Kita-Einstiegs-Vorhaben berichten und aufzeigen, wie wertvoll diese sind. Bedeutsam war dabei auch die planerische Zusammenarbeit mit der Fachberatung Kita im Jugendamt. Hinzu kamen positive Rückmeldungen von Kita-Leitungen, von sozialpädagogischen Fachkräften und vom Allgemeinen Sozialen Dienst, die deutlich machten, dass sie die beiden Angebote beibehalten wollen. Und auch in Netzwerken hat der „Kita-Einstieg“ an Bekanntheit und Akzeptanz gewonnen.

Da der Jugendhilfeausschuss die Umwandlung der Kitas zu Familienzentren mitgetragen und vorangetrieben hat, stand die notwendige Infrastruktur zu Verfügung. Der familienunterstützende Dienst sowie die Eltern-Kind-Gruppen wurden bei den Familienzentren mit angedockt und die Fragen hinsichtlich des Zugangs zu den Familien, des notwendigen Personals sowie der Vernetzung und Kooperation mit Sozialarbeit und Kita stellten sich nicht, denn es war bereits alles vorhanden.

   

„Es ist eine WIN-WIN-Situation. Denn wenn der Allgemeine Soziale Dienst einen Fall hat, der in keinen Paragrafen passt, sind ihm die Hände gebunden. Doch so können die Familien entsprechend ihrer Bedarfe schnelle Unterstützung und Begleitung erhalten.“

Nicole Müller, ehemalige Koordinierungs- und Netzwerkkraft

Für die Finanzierung der Angebote war es begünstigend, dass durch die Kita-Novelle in Rheinland-Pfalz Angebote wie die familienbegleitende Beratung perspektivisch durch Sozialraumbudgets mitfinanziert werden sollen. Mit diesem Budget sollen unter anderem Angebote und Personalstunden der Kita-Sozialarbeit, von Fremdsprachen-Kräfte oder interkulturellen Kräften finanziert werden. Damit bestanden im Eifelkreis Bitburg-Prüm beste Voraussetzung, um die Finanzierung zu sichern und die Angebote fortzuführen.

Eine Herausforderung im Prozess lag laut Frau Müller allerdings in der Personalfluktuation: „Ich war die dritte Koordinatorin und habe eigentlich wieder bei null angefangen. Das hat den ‚Kita-Einstieg‘ im Landkreis fast um eineinhalb Jahre zurückgeworfen“. Auch den Fachkräftewechsel beschreibt sie für die Menschen und Familien vor Ort als große Herausforderungen, da mit den Fachkräften auch ein Stück Vertrautheit und Vertrauen abhandenkommt.

Tipps

„Ohne Jugendhilfeplanung und ohne Jugendamtsleitung geht es nicht!“

„Man muss immer wieder von seinen Angeboten und Erfolgen berichten. Wenn die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern erst nach drei Jahren von den Angeboten hören, wird es zu spät sein.“

„Wir hatten auch andere erfolgreiche und schöne Kita-Einstiegs-Angebote wie die Willkommensveranstaltungen für Säuglinge und kleine Kinder mit Frühstück und Fotografen. Aber es hatte nicht die dringende Notwendigkeit wie die anderen beiden Angebote. Und wir wissen am Ende der Willkommensveranstaltungen auch nicht, wie wirkungsvoll sie tatsächlich waren. Die Wirkung muss jedoch mit Blick auf die Finanzen und die kommunale Verstetigung belegt sein.“

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