Logo des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.
Ein Mann und ein Kind halten Klanghölzer in den Händen.

   

„Für die Verstetigung müssen Verwaltungsspitze und Politik einbezogen werden“

In Bünde wurden im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ verschiedene Angebote erprobt. Drei von ihnen haben sich besonders bewährt, um Familien mit Kindern den Zugang zur Kindertagesbetreuung zu erleichtern:

  1. Die Migrationssozialarbeiterin Annette Ortmann besucht alle neu hinzugezogenen Familien mit Migrations- und Fluchthintergrund, wenn sie Kinder im nicht-schulpflichtigen Alter haben. Ziel ist, die Familien und Kinder frühzeitig „abzuholen“ und ihnen das System frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung näher zu bringen. 
  2. Ein abgestimmter Datenabgleich verschafft einmal im Jahr einen Überblick über Kinder, die kurz vor Schuleintritt keine Kita oder Tagespflegestelle besuchen. Die Familien bekommen ein Anschreiben, verbunden mit einem Beratungsangebot im Rahmen eines Besuches von Annette Ortmann und der pädagogischen Kita-Einstiegs-Fachkraft Hysni Hajdini, die über die Angebote in Bünde informieren. So fällt in Bünde kein Kind durchs Raster.
  3. Hysni Hajdini bietet zwei Mal wöchentlich in einem Familienzentrum eine Eltern-Kind-Gruppe mit einem offenen Spiel- und Bewegungsangebot an. Viele der Eltern haben ihn bereits bei dem Hausbesuch kennengelernt, was sich positiv auf die Teilnahme an der Eltern-Kind-Gruppe auswirkt. Darüber hinaus bietet er einmal im Monat eine Vater-Kind-Holzwerkstatt an.

Durch das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ hat sich herauskristallisiert, dass die aufsuchende Arbeit der Dreh- und Angelpunkt ist, um Familien mit kleinen Kindern zu erreichen. Gemeinsam mit der Eltern-Kind-Gruppe bilden sie die Programmelemente, die in Bünde nun in die Verstetigung gehen. Daniela Redeker war bis Dezember 2020 die Koordinierungs- und Netzwerkkraft in Bünde und benennt die Migrationssozialarbeiterin Frau Ortmann als Schlüsselfigur, denn „es muss jemanden geben, der verlässlich da ist, den man kennenlernt und der über einen langen Zeitraum begleitet“. Annette Ortmann ist stundenweise sowohl für das Sozialamt als auch für das Jugendamt tätig. Dadurch ist sie gut vernetzt und blickt aus verschiedenen Perspektiven auf die Familien und ihre Lebenswelten. Viele Familien kennen sie bereits aus dem „Welcome Center“ – einer Anlaufstelle für geflüchtete Menschen – was die Vertrauensbildung unterstützt.

„Auch Herr Hajdini ist Gold wert!“, berichtet Daniela Redeker, denn er geht auf die Familien ein und bringt viel Empathie mit, wodurch die Eltern und Kinder gerne zu den Angeboten kommen. Dass er selbst einen Migrationshintergrund hat und fließend mehrere Sprachen spricht, ist dabei deutlich von Vorteil.

Die Verstetigung von Anfang an im Blick

Mit Beginn des Bundesprogramms wurde in Bünde die „Steuerungsgruppe Kita-Einstieg“ gegründet. Mitglieder waren jeweils eine Trägervertretung der teilnehmenden Familienzentren und eine Kita-Leitung, die Fachberatung Kindertagespflege aus dem Jugendamt, der Dezernent der Stadt Bünde, die Jugendamtsleitung, die Koordinierungs- und Netzwerkkraft sowie Annette Ortmann. Vierteljährlich hat sich das Gremium getroffen. Gemeinsam wurden Bedarfe erhoben, Konzepte geschrieben, Räume gesucht und Angebote angepasst. „Wir als Stadt haben uns zu Beginn des Bundesprogramms mit der Antragsstellung verpflichtet, die Verstetigung im Blick zu haben“, erinnert sich Daniela Redeker.

Verwaltungsspitze und Politik einbinden

Für den Verstetigungsprozess war von besonderer Bedeutung, dass auch der Dezernent Mitglied in der Steuerungsgruppe war. „Er hat das Bundesprogramm ‚Kita-Einstieg‘ die gesamte Zeit live und in Farbe miterlebt und konnte sich bei Bedarf auch mit dem Bürgermeister dazu austauschen“, berichtet Daniela Redeker. Ergänzend hat die Koordinierungs- und Netzwerkkraft im Jugendhilfeausschuss regelmäßig über die Fortschritte im „Kita-Einstieg“ berichtet und die pädagogischen Kita-Einstiegsfachkräfte dazu eingeladen, sich und die Angebote dem Gremium vorzustellen.

  

„Uns war immer bewusst, dass wir ein Zeitfenster bis Ende 2020 haben und wir bis dahin klar haben müssen, wie wir den „Kita-Einstieg“ dann fortführen wollen. Alle waren so auf die Verstetigung fokussiert, sodass die zweijährige Verlängerung für uns kein Thema mehr war.“

Daniela Redeker, ehemalige Koordinierungs- und Netzwerkkraft

Lösungen für die Weiterfinanzierung

Um die Personalstunden von Hysni Hajdini sowie die notwendigen Projektmittel nach der Teilnahme am Bundesprogramm weiter zu finanzieren, hat die Stadt Bünde verschiedene Möglichkeiten geprüft. Neben Gesprächen mit dem Sozialamt wurde auch mit kommunalen Integrationszentren nach Lösungen gesucht. Für das Jahr 2021 wurde eine gute Lösung gefunden: Die Personalstunden werden aus der Integrationspauschale finanziert, die dem Sozialamt gewährt wurde. „Wir hoffen, dass es im kommenden Jahr auch noch eine Integrationspauschale geben wird. Wenn nicht, müssen wir Mitte des Jahres schauen, ob eine Finanzierung über andere Förderprogramme oder Brückenprojekte möglich wird.“ Zunächst finden jedoch alle drei Angebote weiterhin statt. Besiegelt wurde die Kooperation mit einer Vereinbarung zwischen der Stadt Bünde und dem Träger „Verein Ev. Kleinkinderschule Familienzentrum Kindergarten am Markt“.

Tipps

Die Steuerungsgruppe ist ein wichtiges Instrument. Sie muss frühzeitig gegründet und gut eingebunden werden. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Verwaltung oder Politik im Gremium vertreten sind.

Die Verstetigung von Programmelementen muss frühzeitig thematisiert werden. Dabei sollten auch die Träger mit eingebunden werden, die gegebenenfalls Räumlichkeiten oder pädagogisches Personal für die Angebote zu Verfügung stellen könnten.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es funktioniert, wenn man die Verwaltungsspitze nicht mit einbindet.“

Daniela Redeker, ehemalige Koordinierungs- und Netzwerkkraft

Ein für Daniela Redeker wichtiges Erfolgselement sind „die guten fähigen Leute, die einen Zugang zu Familien haben“. Von Vorteil ist es zudem, wenn die Fachkräfte bereits vor Ort beschäftigt sind. Für sie ist das ein Gelingensfaktor: Denn diese Fachkräfte sind bereits in der Region und in den Regelstrukturen verankert und wechseln nicht so schnell die Stelle.

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