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Erfolgreiche Verstetigung im Oberallgäu: alle Angebote gehen weiter!

Im Oberallgäu startete das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ Ende 2017. Seitdem wurden verschiedene Angebote entwickelt, die Familien den Zugang zur Kindertagesbetreuung erleichtern:

  • Landkreisweit wurden an unterschiedlichen Standorten Elternkurse für geflüchtete Familien angeboten. Die mehrtägigen Infoveranstaltungen widmeten sich verschiedenen Themen, zum Beispiel dem System der frühkindlichen Bildung, Kinderrechten, Erziehungsfragen, erste Hilfe am Kind und Konfliktmanagement. Durch das Angebot konnten zum einen Informationen vermittelt werden, zum anderen lernte das Kita-Einstieg-Team die Familien kennen. So konnte das Team sicherstellen, dass sie deren Bedarfe kannte. Die Elternkurse bildeten die Grundlage für viele weitere Angebote.
  • Die Kita-Einstieg-Fachkräfte boten im ganzen Landkreis Oberallgäu aufsuchende Beratungen an. Gab es vor Ort schon andere Angebote, boten die Kita-Einstieg-Fachkräfte den Einrichtungen Unterstützung an oder halfen bei der Umverteilung von Familien und deren Begleitung. Zum Teil dauerte die Begleitung an, bis ein Regelkitaplatz für das Kind gefunden wurde.
  • In der größten Familienunterkunft im Landkreis wurde fast durchgängig eine Sprechstunde ermöglicht. Während Corona führten die Fachkräfte das Angebot telefonisch weiter oder nutzten Messenger-Dienste. Außerdem unterstützten sie die Familien bei der Versorgung in der Quarantäne und konnten so wichtige Beziehungsarbeit leisten und aufrechterhalten. In den Räumlichkeiten vor Ort haben die beiden Kita-Einstieg-Fachkräfte zudem frühkindliche Bildungs- und Spielangebote und andere Aktivitäten zur Kita-Eingewöhnung oder Schulvorbereitung durchgeführt.

Damit auch Eltern mit wenigen oder keinen Deutschkenntnissen an Informationsveranstaltungen, Elternabenden oder Aufnahmegesprächen teilnehmen konnten, vermittelten und finanzierten die Kita-Einstieg-Fachkräfte Dolmetscherinnen und Dolmetscher.

Wie gelang die Verstetigung im Oberallgäu?

Im Oberallgäu bleiben auch nach dem Ende des Bundesprogramms alle Angebote bestehen. Die zwei Fachkraftstellen, insgesamt eine Vollzeitstelle, werden verstetigt. So können die beiden Kita-Einstieg-Fachkräfte weiterhin ihre Angebote durchführen. Die Koordinierungs- und Netzwerkstelle wird nicht fortgeführt. Deshalb übergibt die bisherige Koordinierungsfachkraft Anette Rieber die Angebote nun an das Team für Kita-Fachberatung und koordinierendem Kinderschutz im Jugendamt. Dieses Team übernimmt auch weiterhin die Vernetzung und Koordination mit anderen Bereichen, zum Beispiel im Arbeitskreis „Asyl“ oder „Frühe Hilfen“.

Der Landkreis interessierte sich für das Thema Kita-Einstieg und investierte in diesem Bereich. Seit einigen Jahren ist das Thema auch im Integrationsplan verankert. Aber nicht nur das: die Leitung im Kreisjugendamt setzte sich bei verschiedenen politischen Entscheidungstragenden intensiv für die Verstetigung der Angebote ein.

Ein weiterer Vorteil war, dass während der Laufzeit des Bundesprogramms ein passender Anstellungsträger gefunden werden konnte. Zuvor gestaltete es sich schwierig, Personal und Kooperationspartnerinnen und -partner zu gewinnen. Zum Teil arbeitete Anette Rieber mit vier Trägern gleichzeitig. Seit 2020 muss sie nur noch mit einem Träger zusammenarbeiten. Das vereinfachte die Koordination sehr und legte den Grundstein für die Verstetigung.

Für Anette Rieber war eine weitere Herausforderung, dass sie nicht in einer klassischen Teamstruktur eingebettet war. Über inhaltliche und fachliche Fragen konnte sie sich nur mit den beiden Kita-Einstieg-Fachkräften austauschen. Aber insbesondere bei der Entwicklung der Konzeption oder der Strategie zur Verstetigung fehlte die Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften, die sich auch mit den Förderbedingungen und Strukturen im Jugendamt auskannten.

  

„Besonders gut fand ich am Bundesprogramm, dass so viel Gestaltungsspielraum möglich war. Gerade angesichts der Herausforderungen der letzten Jahre, konnte sich wahrscheinlich niemand genau vorstellen, was da am Ende für tolle Angebote entstehen würden. So war es möglich, ganz viel Neues zu entwickeln und auszuprobieren – also mutig zu sein. Und auch, schnell und relativ unbürokratisch auf neue Gegebenheiten zu reagieren. Dadurch, dass die Angebote oft kurzfristig und niedrigschwellig konzipiert sind, können sie leichter angepasst werden.“ 

Anette Rieber, Koordinierungsfachkraft im Oberallgäu 

Deshalb waren die begleitenden Angebote des Bundesprogramms sehr wertvoll für sie. Bei den Regionalkonferenzen und anderen Veranstaltungen konnte sie sich mit den anderen Koordinierungs- und Netzwerkkräften im Bundesprogramm austauschen. Beim Vernetzungstreffen Südbayern entstand so eine wichtige und hilfreiche Zusammenarbeit mit dem Nachbarlandkreis. Die Regionalkonferenz in Berlin gab dann den letzten Anstoß, den Prozess der Verstetigung zu vollenden.

„Bei uns im Landkreis profitieren sowohl die Familien als auch die Kitas von der Verstetigung der Angebote. Die Familien erhalten weiterhin wichtige Unterstützung beim Zugang zur Kindertagesbetreuung. Die Einrichtungen profitieren durch die Vernetzung der Kita-Einstieg-Fachkräfte zu anderen Einrichtungen und zu den Familien. Davor gab es solche Angebote hier nicht. Durch die Angebote im „Kita-Einstieg“ ist viel konkrete Unterstützung möglich geworden.“
Anette Rieber, Koordinierungsfachkraft im Oberallgäu

Tipps

Präsenz zeigen und vermitteln  

Damit das Thema Kita-Einstieg präsent bleibt, lohnt es sich immer wieder in großen und kleinen Gremien darauf aufmerksam zu machen. Hier ist es auch wichtig, die Vermittlerrolle der Koordinierungs- und Netzwerkkraft deutlich zu machen. Als Koordinierungs- und Netzwerkstelle vertritt man sowohl die Interessen der Zielgruppe, die der Kooperationspartnerinnen und -partner als auch die der Kommune.

Bedarfsgerecht und gezielt verstetigen

Damit der Verstetigungsprozess gelingt, ist es wichtig, sich auf einzelne Programmelemente zu fokussieren. Bei der Auswahl kann man sich Fragen stellen wie: Was ist der Bedarf der Zielgruppe? Welche Elemente sind besonders wichtig? Wozu haben wir schon Material erstellt? Welche Elemente können realistisch verstetigt werden? Wenn die Ziele der Verstetigung klar sind, kann man sich gezielt in den Gremien einbringen, in denen die entsprechenden Entscheidungen getroffen werden.

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