Logo des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Impulstagungen digital!

Am 03. Mai und am 14. Juni 2021 fanden erstmals digitale Impulsveranstaltungen für alle im Bundesprogramm mitwirkenden pädagogischen und koordinierenden Fachkräfte statt. Insgesamt fanden mehr als 420 Personen im virtuellen Raum zusammen, um in den überregionalen Erfahrungsaustausch zu gehen, neue Impulse zu setzen und Ideen für die laufende Förderphase des Bundesprogramms „Kita-Einstieg“ zu erhalten. Bereits 2018 und 2019 fanden vier Impulstagungen statt, um den Austausch und die Vernetzung unter den teilnehmenden Standorten anzuregen.  

Nach einer Begrüßung von Nora Damme, Leiterin des Referats „Ausbau der Kinderbetreuung, Bundesprogramme und Fachkräfte“ im BMFSFJ und Prof. Dr. Renate Zimmer, Projektleitung vom niedersächsischen Institut für Bildung und Entwicklung (nifbe), fand an beiden Tagen jeweils ein Hauptvortrag statt. Thematisch orientierten sich diese nah an den aktuellen Themen und Fragestellungen im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“. So referierten Prof. Dr. Christine Hunner-Kreisel und Stella März von Universität Vechta zum Thema „Soziale Ungleichheit von Anfang an – ein intersektionaler Blick auf Bildungschancen von Kindern“. In dem Vortrag von Eva van Keuk vom Psychosozialen Beratungszentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf ging es um „Geflüchtete Familien in Corona-Zeiten unterstützen. Aktuelle Erfahrungen in der Begleitung von Familien mit Fluchthintergrund in der Pandemie-Situation“.

Darüber hatten die teilnehmenden Fachkräfte bei den digitalen Impulsveranstaltungen Gelegenheit, aus ihrer eigenen Praxis zu berichten und mit Kolleginnen und Kollegen auf der Tagung wertvolle Tipps und Anregungen auszutauschen. In einer Vielzahl von Impulsbeiträgen haben pädagogische Fachkräfte und Koordinierungskräfte von ihren Angeboten und Erfahrungen berichtet. Nachstehend werden einige dieser Praxisimpulse kurz vorgestellt, viele weitere geschilderte Praxisbeispiele können auch in der Broschüre Praxisimpulse aus dem Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ nachgelesen werden:

Standort: Stadt Lingen

In Kindern schlummern Stärken und wahre Schätze, die es zu entdecken gilt. In Lingen haben sich aus diesem Grund zwei Kita-Einstiegskräfte zu Moderatorinnen und Referentinnen schulen lassen, um Eltern und pädagogische Fachkräfte in Kitas bei der „Schatzsuche“ zu unterstützen. Die Suche findet an sechs Terminen zu je 2,5 Stunden statt. Dabei wird einander kennengelernt, Fragen rund um die kindliche Entwicklung erörtert und Themen wie Gefühle, Konflikte oder Freiräume besprochen. Ziel ist, die pädagogischen Fachkräfte und Eltern für das seelische Wohlbefinden von Kindern sowie für ihre Stärken und Bedürfnisse zu sensibilisieren. Dabei profitieren alle Beteiligten von einer vertrauensvollen Kommunikation. Sie haben Freude an Erziehungsaufgaben und lernen die Unterstützungsangebote im Stadtteil kennen.

Standort: Landkreis Rosenheim

Um auftretende Sprachbarrieren zwischen Fachkräften und neu zugewanderten Familien zu überwinden, hat „Kita-Einstieg“ in Rosenheim das Computerprogramm „Kita-ABC“ für pädagogische Fachkräfte in Kitas entwickelt. Es enthält Infotexte in einfacher Sprache zu unterschiedlichen Themen rund um die Kindertagesbetreuung wie beispielweise Elternarbeit, Freispiel oder Kooperation mit der Grundschule. Die Angaben zu Öffnungszeiten können beispielsweise von den Einrichtungen individuell angepasst und die Texte im Anschluss für die Familien ausgedruckt werden. Professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer haben die Infotexte in zehn weitere Sprachen übersetzt: Englisch, Arabisch, Russisch, Dari, Paschtunisch, Kroatisch, Rumänisch, Somalisch, Tigrinya und Türkisch. Sie helfen den Familien das Betreuungssystem kennenzulernen und sich darauf vorzubereiten. Ursprünglich wurden die Infotexte für eine kooperierende Kita entwickelt, doch die Materialien sollten allen Kitas und Familien Unterstützung bieten. Darum steht das Programm nun allen 170 Kitas im Landkreis zu Verfügung und wird bei Bedarf auf einem USB-Stick per Post zugeschickt. Informiert werden die Einrichtungen über die regelmäßig stattfinden Leitungskonferenzen und von den Kita-Einstiegskräften.

Standort: Stadt Hürth

Für Familien ohne Kita-Platz und ohne Aussicht auf einen erholsamen Urlaub mit der Familie hält „Kita-Einstieg“ in Hürth ein Angebot bereit: Das Familien-Erholungsangebot in „Finkenberg“. Bereits drei Jahre in Folge sind die pädagogischen Fachkräfte und die teilnehmenden Familien mit Reisebussen nach Finkenberg gereist, um gemeinsam ein Wochenende in der Natur zu verbringen. Ob im Wald, an der Feuerstelle, auf dem Fußballplatz oder im Gemeinschaftsraum – die Kinder und Eltern haben vielfältige Möglichkeiten nach eigenen Wünschen Erholung zu finden. Die Kita-Einstiegskräfte unterstützen dabei die Tagesstruktur mit vielfältigen Anregungen und Angeboten wie Bewegungs- und Kreativangebote, verschiedene Ausleihkisten mit Spielzeugen, Schatzsuchen oder gemeinsames Musizieren. Die Anmeldung erfolgt in Spielgruppen oder Familienzentren in der Stadt Hürth.

Standort: Landkreis Reutlingen  

Im Landkreis Reutlingen hat „Kita-Einstieg“ ein Curriculum entwickelt, welches Personen qualifiziert, die in der ehrenamtlichen Kinderbetreuung tätig werden möchten. Das Curriculum ist in theorie- und praxisbezogene Module gegliedert und kann von den Teilnehmenden kostenfrei absolviert werden. Es besteht aus drei fachlichen Modulen, Praxisstammtischen für den Austausch zu jedem Modul sowie einer pädagogischen Anleitung. Inhaltlich geht es dabei beispielsweise um pädagogische Haltung, Kinderrechte sowie die psychologische und pysiologische Entwicklung von Kindern. Praktische Übungen helfen den Ehrenamtlichen dabei, das Erlernte situationsorientiert anzuwenden.

Standort: Stadt Gera

In der Stadt Gera wurde bereits 1994 die Migrantenselbstorganisation „Interkultureller Verein Gera e.V.“ gegründet. In dem Verein wirken Menschen verschiedenster Nationen. Sie sind in den jeweiligen Communities aber auch mit anderen Programmen und Angeboten wie "Integration durch Qualifizierung“ (IQ) oder der Hausaufgabenhilfe gut vernetzt und stehen dadurch in engem Kontakt zu den zugewanderten Familien. Seit Februar 2021 ist auch „Kita-Einstieg“ in dem Verein vertreten. Der Zugang zu den Familien über die Communities ermöglichte anfangs eine breite Bedarfsanalyse, um herauszufinden, welche Unterstützung die Familien benötigen. Daraus entstanden ist eine Elternsprechstunde, um im Alltag eine niedrigschwellige Beratung und Unterstützung anzubieten. Auch mit den Kitas ist eine enge Zusammenarbeit entstanden. Sie werden mit Informationsmaterialien, Checklisten, Handreichungen und Sprachmittlung unterstützt, die den Familien und ihren Kindern das Ankommen in der Kita erleichtern. Saskia Dehm ist die Kita-Einstiegkraft im „Interkulturellem Verein“ und betont, dass vor allem der gute Zugang zu den verschiedenen Communities hilft, die Bedarfe zu erfassen und die Angebote im Programm „Kita-Einstieg“ zu bewerben. Um die Zielgruppe gut zu erreichen, empfiehlt sie allen Vorhaben Kontakt zu Migrantenselbstorganisationen aufzunehmen.

Für Unterhaltung während der digitalen Impulsveranstaltungen sorgte zwischendurch das Improvisationstheater RatzFatz. Inspiriert durch die Haupt- und Impulsvorträge sowie durch spontane Beiträge der Teilnehmenden improvisierte das Theater zu den verschiedenen Themen des „Kita-Einstiegs“. In der Mittagspause trafen sich die Teilnehmenden zum informellen Austausch und Netzwerken im virtuellen Raum. Am Nachmittag wurden in verschiedenen Workshops die fachlichen Themen rund um das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ vertieft. Beispielsweise das Storytelling als Methode der Öffentlichkeitsarbeit zur Verstetigung von Projekten, die Arbeit mit Eltern in belasteten Situationen oder die Hintergründe rund um das Thema Migration. Je nachdem, welches Thema die Teilnehmenden besonders interessierte oder aktuell beschäftigte, hatten sie die Möglichkeit, in die verschiedenen Fachthemen rund um den „Kita-Einstieg“ einzutauchen.

Organisiert und durchgeführt wurden die Online-Impulstagungen vom Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe). Dieses ist mit der wissenschaftlichen und fachlichen Prozessbegleitung des Bundesprogramms „Kita-Einstiegs“ beauftragt und unterstützt bei pädagogischen Fragestellungen.

Seite drucken