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Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Köln – Das Bundesprogramm an drei Standorten

Seit dem 1. Oktober 2017 nimmt die Stadt Köln am Bundesprogramm teil. Seither hat eine Vielzahl von Angeboten stattgefunden, um die Familien beim Einstieg in die Kindertagesbetreuung zu unterstützen. Die rund 700 KiTas im gesamtstädtischen Gebiet verteilen sich auf neun Stadtbezirke. In drei der Bezirke wird der „Kita-Einstieg“ umgesetzt:

Roter Koffer und verschiedene Spielmaterialen liegen auf einem Holzboden.Der rote Koffer von Lena Bäumges ist gefüllt mit Spielen, Bildungsmaterialien, unterstützende Materialien für Sprachbarrieren und Malutensilien.

Standort 1: Der rote Koffer und eine bedarfsorientierte Umfrage

Lena Bäumges ist beim Katholisches Familienzentrum St. Pankratius im Kölner Evinghover Bruch als Kita-Einstiegs-Fachkraft angestellt und mit dem Bundesprogramm in sieben Stadtteilen aktiv. Lena Bäumges hat eine Umfrage in der Wohnsiedung durchgeführt, bei der die Familien ihren Bedarf, was sie sich als Unterstützung wünschen, einfach auf einer Karte ankreuzten. „Es hat sich schnell herauskristallisiert, dass es in der Gegend viele Angebote für Kinder gibt, die Mütter jedoch einen großen Bedarf haben, neue Kontakt zu knüpfen und sich auszutauschen“, berichtet Lena Bäumges. Deshalb bietet sie nun neben einer offenen Beratungssprechstunde auch ein Frühstück für Mütter an. Darüber hinaus sucht die Kita-Einstiegs-Fachkraft die Familien in ihren Wohnungen, Unterkünften, in Cafés oder auf dem Spielplatz auf. Das erleichtert das Kennenlernen und die Kontaktaufnahme. Besonders erfreulich ist, dass die Familien sich anschließend meist selbstständig bei Lena Bäumges melden, um sich auszutauschen oder ein Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen. Ihren roten Spielzeugkoffer hat sie immer dabei. Dieser enthält Bücher, Sprachkarten und Spielzeug für die Kinder: „Der Inhalt wird von mir regelmäßig ausgetauscht, sodass es für die Kinder immer etwas Neues zu entdecken gibt“, berichtet die Kita-Einstiegsfachkraft. Auch ihren Laptop hat sie stets bei sich. Denn einer der größten Bedarfe der Familien ist, die Unterstützung bei dem Online-Anmeldeverfahren „Little Bird“ der Stadt Köln - hier müssen sich Familien für einen Kita-Platz anmelden.

Strandmuschel und Decken auf dem grünen Rasen.Ein Angebot auf einem nahegelegenen Spielplatz, bei dem sich Eltern austauschen und Kinder gemeinsam basteln und malen.

Standort 2: „Sanfte Übergaben“ durch kurze Wege

Das Elterncafé beim Kinderschutzbund/ -zentrum Köln-Kalk gibt es bereits seit 20 Jahren. Das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ ermöglicht, die bestehenden Angebote und das Personal auszubauen. Inga Vogt ist hier die Kita-Einstiegs-Fachkraft. Das Elterncafé ist immer gut besucht. Zweimal wöchentlich treffen sich hier bis zu 25 Eltern mit ihren Kindern, um sich auszutauschen. Einmal in der Woche findet für die Kinder in dieser Zeit auch ein Bewegungsangebot statt. Ob Waldprojekte, Besuche im Integrationshaus oder in der Stadtteilbibliothek, ein Familienwochenende in einer Jugendherberge, Info-Veranstaltungen in der kooperierenden Kita oder die Familien besuchend mit einem bücherbepackten Lastenfahrrad – Inga Vogt sucht stets nach Wegen, um den Familien abwechslungsreiche und neue Erfahrungen zu ermöglichen. Das Elterncafé in Köln-Kalk hat zudem einen kleinen, aber ganz entscheidenden Vorteil: Kurze Wege. Denn die Räumlichkeiten befinden sich unmittelbar zwischen dem Jugendamt der Stadt Köln und der kooperierenden Kita. „Wir können somit eine sanfte Übergabe gestalten“, erzählt Inga Vogt und berichtet von Beispielen, in denen Familien direkt zu der richtigen Ansprechpartnerin bei der Beratungsstelle für Kindertagespflege oder im Elternbüro vermittelt wurden. Auch das Sozial- und Wohnungsamt, die städtische Familienberatung sowie das Zentrum für Frühförderung befinden sich in unmittelbarer Nähe des Elterncafés, was viele Vorteile mit sich bringt.

Standort 3: Gut vernetzt im Stadtteil

Vreda Can ist die Kita-Einstiegs-Fachkraft im Familienzentrum „Haus der kleinen Forscher“ der AWO in Köln Mühlheim. Sie ist aktiv mit den örtlichen Netzwerken, Schulen und Arbeitskreisen im Austausch und immer auf der Suche nach neuen Kooperationspartnerinnen und -partnern im Stadtteil. Denn gemeinsam finden sich oft schneller die passenden Lösungen für die Bedarfe der Familien. Besonders hervorzuheben ist hier die Kooperation mit den Stadtteilmüttern. Sie haben eine spezielle Qualifizierung, kennen die Strukturen vor Ort und sind gut im Stadtteil vernetzt. Zudem haben sie häufig einen ähnlichen kulturellen Hintergrund wie die Familien, die Unterstützung bedürfen, was den Zugang und das Aufbauen von Vertrauen erleichtert. Bei Bedarf können die Stadteilmütter auch in andere Sprachen übersetzen. Vreda Can bietet den Familien offene Beratungssprechstunden an, begleitet die Familien auf ihrem Weg in die KiTa und informiert über Förderprogramme und -angebote ihrer Partnerinnen und Partner. Perspektivisch plant sie ein Handbuch für den „Kita-Einstieg in Köln“ zu verfassen. Außerdem möchte sie stärker mit den örtlichen Grundschulen zusammenarbeiten, um gemeinsam Brückenprojekte für Vorschulkinder zu schaffen.

Ein gedeckter Frühstückstisch.Bei dem gemeinsamen Frühstück für Mütter bringen die Teilnehmenden landestypische Speisen aus ihren Herkunftsländern mit.

Die Bedeutung des ganzheitlichen familienorientierten Ansatzes

Zu Beginn der Teilnahme am Bundesprogramm lag der Fokus aller drei Standorte auf dem Kita-Aufnahmeverfahren und der Unterstützung der Familien bei der Anmeldung. Mit der Zeit ist die Zusammenarbeit mit den Familienzentren jedoch an allen drei Standorten stark in den Vordergrund gerückt. Denn der „Kita-Einstieg“ hat nicht nur auf die Entwicklung der Kinder großen Einfluss. Auch für die Eltern ergeben sich so neue Möglichkeiten. „Mütter kommen zu unseren Angeboten und berichten, dass sie vorher noch nirgendwo waren“, berichtet Inga Vogt. Wenn Kinder jedoch in die Kindertagesbetreuung kommen, „gehen vor allem für die Mütter auf einmal ganz viele Türen auf. Und letzten Endes erhöht das stärkere Einbinden der ganzen Familie ja perspektivisch auch die Bildungschancen der Kinder“, fasst Inga Vogt zusammen.

Herausforderungen

Bei der Umsetzung des Bundesprogramms „Kita-Einstieg“ sind in Köln verschiedene freie Träger beteiligt. Dies bringt viele Vorteile aber auch einige Herausforderungen mit sich. So sind die Kita-Einstiegsfachkräfte bei den jeweiligen Trägern angestellt, die Koordinierungs- und Netzwerkstelle befindet sich jedoch beim Jugendamt. Dadurch sind schnelle Absprachen nicht immer möglich. „Der Austausch und die Abstimmungsprozesse müssen deshalb immer gut organisiert werden, um alle mit an Bord zu nehmen“, berichtet Stephanie Butenop vom Amt für Kinder, Jugend und Familie in Köln. So trifft sich das gesamte Kita-Einstiegs-Team alle vier bis sechs Wochen mit den Mitarbeiterinnen des Jugendamtes, um gemeinsam den „Kita-Einstieg“ zu planen und weiterzuentwickeln.

Neben der Überwindung sprachlicher Barrieren einerseits, sieht sich die Stadt Köln auch der Herausforderung gegenübergestellt, der Sprachenvielfalt andererseits gerecht zu werden. In welche Sprachen sollten Informationsmaterialien, Formulare oder das Online-Anmeldeverfahren „Litte Bird“ übersetzt werden? „Die Sprachenvielfalt hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Schon lange reicht es nicht mehr aus, ins Türkische oder Arabische zu übersetzen. Es ist schwierig eine Auswahl zu treffen und damit auch immer Sprachen auszuschließen“, berichten die Mitarbeiterinnen des Jugendamts mit.

Tipps

Für ein erfolgreiches und gut besuchtes Angebot im Rahmen des „Kita-Einstiegs“ muss man die Zeiten und Routinen der Zielgruppe berücksichtigen und einplanen. „Mittwochs ist beispielsweise Wochenmarkt. Da würden wir am Vormittag niemanden für unsere Angebote gewinnen können“, erläutern die am Bundesprogramm beteiligten Mitarbeiterinnen des Kölner Jugendamtes.

Wichtig ist zudem eine Bedarfsanalyse, ehe man sich für eine bestimmte Angebotsform entscheidet. Durch eine einfache Abfrage mithilfe von Karten zum Ankreuzen vor den Eingangstüren der Wohnhäuser in Köln-Chorweiler, konnten die Unterstützungsbedarfe und Wünsche der Mütter eingeholt werden. Diese wurden anschließend mit dem bestehenden Angebot im Sozialraum abgeglichen, um beispielsweise ein Überangebot bestimmter Hilfestellungen zu vermeiden und wiederum fehlende Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Anschließend gilt es, die neuen Angebote bekannt zu machen und stets flexibel zu bleiben, da sich die Bedarfe rasant verändern. Es hat sich zudem bewährt, einen langen Atem zu bewahren, betont Inga Vogt, denn „es öffnen sich immer wieder neue Türen, man muss manchmal nur einfach mutig sein“.

Weitere Informationen

Wer sind und was machen eigentlichen Stadtteilmütter und Stadtteilväter? (PDF, 237 KB, nicht barrierefrei)

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