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Das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ in Erfurt

In Erfurt wurde seit September 2017 eine Vielfalt an Angeboten entwickelt, um Familien bei dem Einstieg in die Kindertagesbetreuung zu unterstützen. Von Anfang an bezog das Kita-Einstiegs-Team in Erfurt dabei eine klare Position und setzte auf die Selbstwirksamkeit der Familien: „Wir haben viele Abstimmungsrunden geführt, aber klipp und klar gesagt, dass wir nicht für die Vermittlung von Kita-Plätzen zuständig sind. Die Eltern müssen den Weg selbst gehen. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei intensiv zu unterstützen und zu begleiten“, berichtet Annemarie Häsler-Bittorf, der Koordinierungs- und Netzwerkstelle.

 

Acht Frauen positionieren sich vor einer Wand.v.l.n.r.: Ayam Shekho und Anita Müller (ZIM), Tina Hummel, Antje Rückert und Stephanie Hummel (FamilienZentrum Am Anger), Natascha Weber und Carola Hettstedt (Family Club), Annemarie Häsler-Bittorf (KuN)

In Thüringens Landeshauptstadt findet das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ an vier Standorten statt. Der zentralgelegenste ist das Familienzentrum am Anger. Mitten in der eindrucksvollen Altstadt bieten Tina und Stephanie Hummel Spielkreise und offene Beratungen an. Auf Wunsch bekommen die Familien auch feste Beratungstermine. Doch besonders wichtig ist es den beiden Kita-Einstiegsfachkräften, schnell Zeit für eine Erstberatung zu finden, um die Dringlichkeit des Bedarfs einschätzen zu können. So zum Beispiel, wenn Eltern zeitnah eine Betreuung für ihre Kinder benötigen, um an einem Sprach- oder Integrationskurs teilzunehmen. Darüber hinaus heißt es einmal im Monat „Fit fürs Miteinander“. Dabei handelt es sich um eine Infoveranstaltung zu verschiedenen Themen für Eltern in leichter Sprache. Für die Kleinen gibt es darüber hinaus seit Januar 2020 einen Spiel- und Lernkreis. Angedacht ist dieser für Kinder im Alter von 0-6 Jahren. Die Inhalte und Themen orientieren sich dabei eng am Thüringer Bildungsplan. Dennoch ist der Spiel- und Lernkreis ein Angebot für die ganze Familie, in dem jeder willkommen ist.

Aller Anfang ist schwer

In Erfurt wurden zu Beginn nicht alle Angebote gleichermaßen gut angenommen. „Wir waren beinahe frustriert, da kaum jemand kam“, berichtet Antje Rückert aus dem Vorhaben des Mehrgenerationshauses „Moskauer Platz“. „Doch das Durchhalten hat sich gelohnt“, denn die Angebote sind heute gut besucht. Für ein interkulturelles Spielcafé mit Frühstück musste sogar zusätzlich eine Honorarkraft einstellt werden. Allein im Jahr 2019 waren hier zwischen Januar und September über 381 Teilnehmende. Auch im „ZIM – Zentrum für Integration und Migration“ mussten die Kita-Einstiegsfachkräfte erst einmal Orientierung finden. Für ihren monatlichen Brunch suchten sie immer wieder nach Themen, um Familien für das Angebot zu gewinnen. Mittlerweile äußern die Eltern selbst, was sie interessiert und zu welchen Themen sie sich Informationen und Austausch wünschen. So ging es unter anderem bereits um Medienkompetenz oder verschiedene Gesundheitsthemen. Beide Vorhaben benennen das gemeinsame Essen als Erfolgsfaktor und schreiben ihm eine zentrale Rolle zu. Denn „Essen verbindet“, schafft Atmosphäre, fördert den Austausch und das Vertrauen.

Drei Programme für ein größeres Ziel

Neben der Teilnahme an dem Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ beteiligt sich der „Family-Club“ des Familienzentrums auch an dem Bundesmodellprogramm „Starke Netzwerke Elternbegleitung für geflüchtete Familien“, welches ebenfalls vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Dadurch werden viele Angebote gemeinsam gestaltet. Der Vorteil daran: Ressourcen können gebündelt und mehr Familien erreicht und informiert werden. So erhalten diese, neben der Unterstützung beim „Kita-Einstieg“, auch Informationen über schulische Nachhilfe, Vorsorgeuntersuchungen oder über Zugangsvoraussetzungen zum Arbeitsmarkt. Der „Family-Club“ nimmt darüber hinaus am „Landesprogramm Dolmetschen – Video- und Audiodolmetschen“ teil. Dadurch können die Fachkräfte gemeinsam mit Eltern rund um die Uhr über Computer, Laptops, Tablets, Handy oder das Telefon Dolmetscherinnen und Dolmetscher in über 50 verschiedenen Sprachen anwählen. Neben häufig verwendeten Sprachen wie Arabisch, Dari oder Farsi kann auch in seltenen gebrauchten Sprachen wie Oromo oder Urdu übersetzt werden.

Erfahrungen und Wissen müssen geteilt werden

Auch über die Programmlaufzeit hinaus wird die Unterstützung beim Einstieg in die Kindertagesbetreuung wichtig sein: „Es wird immer Eltern und Kinder geben, die Schwierigkeiten haben. Und die Erfahrung, die wir jetzt gesammelt haben, sind es wert, in die Verstetigung zu gehen“, betont Annemarie Häsler-Bittorf, die im Dezember 2019 in den Ruhestand ging. Das im Bundesprogramm erarbeitete und erlangte Wissen weiterzugeben ist nicht nur im Zuge ihrer eigenen Nachfolge von Bedeutung. Die gesammelten Erfahrungen im „Kita-Einstieg“ sollen auch über die Programmlaufzeit hinaus Berücksichtigung finden. Um das zu erreichen, setzt sich die Koordinierungs- und Netzwerkstelle nun dafür ein, dass Konzepte übernommen und die Zusammenarbeit mit kooperierenden Kitas auf die gesamte Stadt Erfurt übertragen werden. Auch regelmäßige Fortbildungen der pädagogischen Fachkräfte sollen laut Annemarie Häsler-Bittorf sichergestellt werden, „denn diese gehören zu jedem guten Konzept dazu!“ 

Tipps

Die Entwicklung und erfolgreiche Etablierung der Angebote in Erfurt haben gezeigt, dass Geduld und Flexibilität wichtige Faktoren sind, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Die Mitarbeiterinnen spielen dabei eine ganz entscheidende Rolle. Durch ihre persönliche Ansprache können Familien besser erreicht werden als durch Flyer oder Aushänge. Zudem fördern konstante Ansprechpartnerinnen und -partner den Aufbau von Vertrauen und begünstigen, dass die Familien die Angebote erneut aufsuchen.

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