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Zeitlich begrenzte Kindertagesbetreuung im Familienzentrum

Familienzentrum HaßbergeBeatrice Först (links außen), Anne Hülß (rechts außen) und ihr Team im Familienzentrum Haßberge

Das Familienzentrum Haßberge befindet sich im Herzen der bayerischen Stadt Haßfurt und ist Begegnungsstätte für Mütter, Väter und Kinder. In erster Linie berät es Familien zur Kindertagesbetreuung. Ziel ist es, Hemmschwellen und Vorbehalte der Familien gegenüber außerfamiliärer Betreuung abzubauen. 

Niedrigschwelliges Betreuungsangebot während der Beratung als Brücke 

Das Besondere: Während der Beratung können die Eltern ihre Kinder im Familienzentrum betreuen lassen. Wenn sie möchten, können sie auch bei ihrem Kind bleiben, gemeinsam singen, basteln und spielen und so das Angebot der Kindertagesbetreuung näher kennenlernen. Wenn die Eltern zustimmen, wird anschließend in Absprache mit den Kindertagesstätten aus dem Landkreis ein Betreuungsplatz gesucht. Das Familienzentrum pflegt einen sehr engen Austausch mit den 64 Kindertageseinrichtungen im Landkreis. Sie vernetzen sich zum Beispiel in Arbeitskreisen, bei denen auch Fachkräfte von „Kita-Einstieg“ dabei sind. Erste Erfolge gibt es schon: Im Jahr 2017 wurden 25 Kinder vermittelt.

Das Familienzentrum bietet für maximal fünf Kinder für einen begrenzten Zeitraum ein niedrigschwelliges Betreuungsangebot an. Eine Tagesmutter ist dafür im Familienzentrum tätig. Dieses Angebot wird besonders geschätzt, weil eine kurzfristige Betreuung erfolgen kann. Diese Betreuung soll Eltern kurzzeitig entlasten. Sobald die Eltern einen permanenten Betreuungsplatz gefunden haben, helfen die Fachkräfte des Familienzentrums bei Bedarf bei der Eingewöhnung in der Kita oder der Kindertagespflegestelle. Der Kontakt zu den Eltern bricht danach aber nicht ab: Viele Familien kommen auch weiterhin ins Familienzentrum und nehmen die pädagogischen Angebote wahr.

Bedarfsgerechte Beratung und Unterstützung für Eltern mit und ohne Migrationshintergrund

Die Zielgruppe sind Schwangere und Familien mit Kindern von 0 bis 6 Jahren. Neben dem niedrigschwelligen frühpädagogischen Angebot bietet das Familienzentrum Beratung und Kurse für die Familien an. „Wir informieren Eltern über Traditionen, gesellschaftliches Leben und erläutern die Tagesstruktur einer Kita“, schildert Anne Hülß, pädagogische Fachkraft für das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“. In den Kursen werden ganz unterschiedliche Themen behandelt – Wie kann ich die Essens- und Schlafenzeiten für das Kind gestalten? Wie begrüße ich jemanden? Welche Regeln gelten im Straßenverkehr? Was gehört zur Ausstattung für die Kita? Wie beantrage ich Förderleistungen? 

„Durch die Angebote kommt man mit den Eltern ins Gespräch und kann auf ihre Bedürfnisse eingehen“, berichtet Beatrice Först, Inhaberin der Netzwerk- und Koordinationsstelle für „Kita-Einstieg“ im Landkreis Haßberge. Die frühzeitige und individuelle Unterstützung von jungen Familien ist sehr wichtig. „Wenn die Wünsche berücksichtigt werden und ich anbiete, was Familien nachfragen, dann kommen die Leute auch“, betont Frau Först. 

Die Inspiration für das Familienzentrum kam durch die Partnergemeinde Lindesberg in Schweden. In den schwedischen Familienzentren werden pädagogische Angebote und Programme für Familien unter einem Dach angeboten. Mithilfe des Bundesprogramms „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ ist die Umsetzung in Haßfurt gelungen. 

Das Familienzentrum befindet sich im Landratsamt in Haßfurt und ist an das Jugendamt angegliedert. Für Frau Salberg, Leiterin des Familienzentrums, war die Anbindung an ein Amt wichtig, „denn hier kommen alle her, speziell Familien mit Informationsbedarf. Wir können schnell reagieren, weil immer jemand da ist und durch die kurzen Wege mit den Behörden agieren kann.“ Christoph Schramm, Leiter des Jugendamtes, ergänzt: „Sobald Anträge und Leistungsbewilligungen gestellt werden, werden Familien auf die Angebote im Familienzentrum hingewiesen.

Tipps

„Die Fachkräfte sollten auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen und gemeinsame Perspektiven herausarbeiten“, empfiehlt Anne Hülß. Wenn Eltern verdeutlicht wird, welche Vorteile die Kindertagesbetreuung für die Entwicklung ihrer Kinder hat und sie selbst bei der Verwirklichung ihrer Ziele unterstützen kann, sind die meisten bereit, dieses auch mal auszuprobieren. Niedrigschwellige Angebote sind dabei besonders wichtig: „Malen, Basteln und Spielen sind elementare Dinge, die für die frühkindliche Bildung wichtig sind und auf die Zeit in der Kindertagesbetreuung und in der Schule vorbereiten“, betont Anne Hülß.

Das Familienzentrum Haßberge ist überregional bekannt. Frau Först empfiehlt, Netzwerke zu nutzen, um den Familien den Übergang in die Kindertagesbetreuung zu erleichtern. „Unsere Fachkräfte gehen oft mit und helfen den Familien dabei, Vertrauen zu den Fachkräften in den Kitas oder zu den Tagesmüttern und Tagesvätern aufzubauen.“

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