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Schulung zur pädagogischen Helferin und zum pädagogischen Helfer

Es sind Gespräche auf Arabisch, Türkisch und Deutsch zu vernehmen, bevor der Stadtrat Eric Neiseke sich vorne im Raum der Evangelisch-Lutherischen Apostelgemeinde positioniert. Die Gäste nehmen an den Tischen Platz – ihre Anspannung und Aufregung ist deutlich zu spüren. Für 17 Frauen und Männer ist es ein ganz besonderer Tag, denn sie haben ihre Schulung zur pädagogischen Helferin bzw. zum pädagogischen Helfer abgeschlossen und bekommen an diesem Tag ihr Zertifikat überreicht. Alle Teilnehmenden erhalten Blumen, Umarmungen und ganz persönliche Worte von der Koordinatorin Frau Pirk, der Hauptreferentin Monika Elsner und der Kursbegleiterin Amira Miri, welche die Teilnehmenden während der gesamten Schulung eng begleitet haben. 

 

17 Frauen und Männer mit UrkundenDie 17 pädagogischen Helferinnen und Helfer bei der Zertifikatsübergabe.

Eine engagierte Stadt erhält Unterstützung

Im Jahr 2015 wurden in Salzgitter viele neue geflüchtete Familien willkommen geheißen. Die Kinder sollten die Möglichkeit erhalten, Kindertageseinrichtungen zu besuchen, doch zu diesem Zeitpunkt fehlten bereits 365 Betreuungsplätze in der Stadt. In der Folge entschied sich diese dafür, Spielkreise einzurichten, um den Kindern eine Form der Tagesbetreuung zu ermöglichen. Durch das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ konnten diese dringend notwendigen Betreuungsplätze noch weiter ausgebaut werden. Aktuell sind es insgesamt sieben Spielkreise, in denen 85 Kinder an drei Tagen in der Woche gefördert, betreut und auf den Kita- oder Schulbesuch vorbereitet werden. Alle sieben Spielkreise sind an einer Kooperations-Kita angedockt. Diese nehmen die Kinder auf, sobald ein entsprechender Platz frei geworden ist. „Die Bereitschaft der Kitas am Bundesprogramm teilzunehmen war sehr hoch“, berichtet Marion Rotter-Becker, die Leitung des Fachgebiets Kindertagesstätten und Familienservice in Salzgitter. „Viele der Kitas bieten Halbtagsgruppen an, sodass die Räumlichkeiten am Nachmittag für die Spielkreise genutzt werden können.“ 

Der (Wieder-) Einstieg in den Beruf

Lioba Pirk koordiniert das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ in der Stadt Salzgitter. Mit ihrer halben Stelle übernimmt sie nicht nur die Verwaltung und Organisation des „Kita-Einstiegs“, sondern ist auch als Dozentin in der Schulung für pädagogische Helferinnen und Helfer tätig. Bereits 2018 haben 25 Frauen und zwei Männer erfolgreich an der Schulung teilgenommen und eine Urkunde erhalten. Die Teilnehmenden kommen aus dem Irak, der Türkei oder Syrien. Einige leben schon lange in Deutschland, andere erst seit zwei oder drei Jahren. Meist sind es Mütter, dessen Kinder „aus dem Gröbsten raus sind“, berichtet Frau Pirk. Viele von ihnen haben bereits Erfahrung in pädagogischen Bereichen gesammelt. Einige möchten nun wieder in das Berufsleben einsteigen und „einfach mal etwas für sich tun“ erzählt die Teilnehmerin Besma Ben Mohamed am Tag der Zertifikatsübergabe. Die Nachfrage an der Schulung ist sehr groß. Nach der Schulung wird etwa die Hälfte der Teilnehmenden eine Beschäftigung in den Spielkreisen aufnehmen können. Die andere Hälfte erhält die Möglichkeit, in dem Sprach- und Bildungsprogramm „Rucksack KiTa“ mitzuwirken, in dem die Sprachentwicklung von Kindern in der deutschen und in der Herkunftssprache sowie die Erziehungskompetenz ihrer Eltern gefördert werden. Darüber hinaus haben zwei der 17 Teilnehmenden eine Zusage an der berufsbildenden Schule, eine Ausbildung als Sozialpädagogische Assistenz anzutreten. Zwei weitere stehen auf der Warteliste. „Es ist nie zu spät sich weiterzubilden und dazuzulernen. Wir durften viele verschiedene, nette und qualifizierte Dozentinnen und Dozenten kennenlernen, die immer ein offenes Ohr für uns hatten“ erzählt die Teilnehmerin Besma Ben Mohamed.

Zwischen Theorie und Praxis

Die Idee für die Schulung hatte einen ganz pragmatischen Ursprung: In der Stadt Salzgitter standen nicht ausreichend pädagogische Fachkräfte zu Verfügung. Somit haben die Hauptreferentin Monika Elsner sowie Stephanie Elsner, Leyla Şimşek-Yilmaz, Brigitte Kopp und weitere Referentinnen und Referenten in Begleitung pädagogischer Fachleute das Curriculum für die Schulung zur pädagogischen Helferin bzw. zum pädagogischen Helfer entwickelt. Orientierung fanden Sie dabei an den Konzepten der „Rucksack-KiTa“ und der Qualifizierung in der Kindertagespflege. Insgesamt umfasst die Schulung zur pädagogischen Helferin bzw. zum pädagogischen Helfer 120 Lerneinheiten und dauert etwa ein halbes Jahr. Um den Müttern die Teilnahme und Vereinbarkeit mit der Familie zu erleichtern, findet parallel eine Kinderbetreuung statt. In vier Praxismodulen haben die Teilnehmenden viel gelernt und Erfahrungen sammeln können: Wie lesen wir mit Kindern Bücher und welche Fragen stellen wir ihnen? Wofür kann ich Handpuppen nutzen und wie motiviere ich Kinder an Angeboten teilzunehmen? „Viele von uns waren lange nicht mehr berufstätig, nachdem wir unsere Kinder großgezogen haben“ berichtet Havva Öz, die nun ab August als „Rucksackmama“ durchstarten wird. „Wir haben an Selbstbewusstsein dazugewonnen, sind an unseren Aufgaben gewachsen und haben uns alle gegenseitig ins Herz geschlossen“, ergänzt Antonia Hijazi.

Herausforderungen

Die Teilnehmenden bestärken und helfen sich gegenseitig, um ihre Ziele zu erreichen. Die verschiedenen kulturellen Hintergründe haben jedoch anfangs zu gegenseitigen Vorbehalten geführt. Doch die gemeinsam verbrachte Zeit in der Schulung, das nähere Kennenlernen und das Wissen, dasselbe Ziel zu haben, hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbunden. „Wir sind zusammengewachsen und hatten eine schöne gemeinsame Zeit. Wir haben viel gelernt – auch ein bisschen über uns selbst“, berichtet Havva Öz. 

Tipps

Das wichtigste bei einem Schulungsangebot ist die Einbindung einer Kursbegleiterin, welche mit den Sprachen und Kulturen der Teilnehmenden vertraut ist. Amira Miri hat diese Rolle in Salzgitter eingenommen und geprägt. „Sie hat einen anderen Zugang zu den Frauen und Männern und kann hier gut vermitteln“, erzählt Marion Rotter-Becker. 
Im Hinblick auf die Konzeption eines Schulungsangebotes ist es besonders wichtig, dieses für die Teilnehmenden kompatibel zu gestalten. „Das bedeutet vor allem, auf Tageszeiten zu achten und ein Betreuungsangebot für die Kinder zur Verfügung zu stellen“ berichtet Lioba Pirk. Beim Essen sollten kulturelle Hintergründe berücksichtigt werden und auch regelmäßige Zeiten für Pausen und Austausch sind nicht zu unterschätzen, da die Teilnehmenden lange Unterrichtszeiten nicht mehr gewöhnt sind. All diese kleinen Aspekte erleichtern ihnen die Teilnahme und begünstigen die erfolgreiche Schulung zur pädagogischen Helferin und zum pädagogischen Helfer.

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