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Eine Brücke zwischen Familie und Kita oder Kindertagespflege

In Hessen werden im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher qualifiziert. Ihre Aufgabe ist es, zwischen Familien mit Fluchthintergrund und den frühkindlichen Betreuungseinrichtungen zu vermitteln. „Es gibt viele Familien, die nicht wissen, was eine frühkindliche Bildungseinrichtung ist, wie eine Anmeldung möglich ist oder wer die Kosten trägt. Es sollte ein Angebot geschaffen werden, das einerseits genau diese Fragestellungen aufgreift und beantwortet. Andererseits möchten wir die pädagogischen Fachkräfte bei Bedarf in ihrer Arbeit unterstützen und vermittelnd zur Seite stehen“, erläutert Julia Fröhlich aus der Koordinierungs- und Netzwerkstelle „Kita-Einstieg“ im Werra-Meißner-Kreis.

Die Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher haben selbst einen Flucht- oder Migrationshintergrund.

Die Aufgaben der Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher

Die Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher vermitteln unter anderem zwischen Elternhaus und Kita. Sie begleiten bei Elterngesprächen und erläutern, wie ein typischer Kita-Alltag aussieht. „Beim Laternenumzug zu St. Martin können die Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher zum Beispiel einer nicht aus Deutschland stammenden Familie den Hintergrund erklären. Damit die Familie sich nicht wundert, warum sie nur eine halbe Brezel bekommt und keine ganze Brezel – der Bezug zur Geschichte von St. Martin wird im Gespräch nebenbei erläutert“, erläutert Julia Fröhlich.

Das Angebot wird gut angenommen und erste Erfolge sind sichtbar: Es werden Kinder in der Kita angemeldet, die sonst nicht erreicht worden wären. „Wir hatten gerade ein sehr erfolgreiches Aufnahmegespräch, wo die Kita-Leitung gesagt hat: ‚So einen Zugang hätte ich sonst nie zur Familie bekommen‘ und plötzlich war auch klar, die Mutter ist Analphabetin – die konnte die ganzen Briefe gar nicht lesen. Und das hätten wir ohne unsere Kulturdolmetscherin gar nicht rausgefunden.“

Zusammenarbeit im Sozialraum

Die Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher unterstützen in erster Linie die Familien, aber auch in Kitas, in Gemeinschaftsunterkünften oder bei Spielkreisen in Stadtteiltreffs. Perspektivisch soll auch mit den Familienhebammen, Tagesmüttern und Tagesvätern sowie den Frühen Hilfen noch intensiver zusammengearbeitet werden. „Unser Wunsch ist, dass wir möglichst viele Familien erreichen, die den Weg nicht alleine finden. In Kita, Krippe oder zu den Tagesmüttern und Tagesvätern“, so Julia Fröhlich.

Die Einrichtungen fragen die Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher bei der Koordinierungs- und Netzwerkstelle „Kita-Einstieg“ im Werra-Meißner-Kreis oder dem Kooperationspartner der Ev. Familienbildungsstätte Werra-Meißner an. „Wir prüfen dann, wer für den Einsatz geeignet ist: Wer spricht die Sprache? Wer wohnt vielleicht in der Nähe? Wer hat Zeit?“, erklärt Julia Fröhlich.

Der Qualifizierungskurs

Der Qualifizierungskurs für die Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher vermittelt grundlegende Informationen zur Kindertagesbetreuung. Themen sind zum Beispiel die Formen der Kindertagesbetreuung, ein typischer Kita-Alltag, Kita-Feste und Feiern, Elternabende und Elterngespräche sowie Hausbesuche bei Familien. Ein Vertreter eines Dolmetscherbüros erklärt außerdem, was beim Dolmetschen wichtig ist. Zum Beispiel, dass immer in der „Ich-Form“ übersetzt wird. „Uns war ganz wichtig, dass dieses fachliche Dolmetschen einerseits, aber auch die Kenntnis über die Inhalte der frühkindlichen Bildungseinrichtungen vermittelt werden“, betont Julia Fröhlich. Die Teilnehmenden besuchen außerdem gemeinsam eine Kita.

Qualifizierungskurs selbst entwickeln

Der Qualifizierungskurs wurde von der Koordinierungs- und Netzwerkstelle „Kita-Einstieg“, den pädagogischen Fachkräften der Anker-Kitas und der Ev. Familienbildungsstätte Werra-Meißner als Kooperationspartner ausgearbeitet. „Wir haben das gesamte Kita-Jahr und die ganze Kita-Zeit eines Kindes betrachtet und haben überlegt, welche Inhalte wichtig sind und was beim Dolmetschen vermittelt werden soll. Uns war klar, dass alle Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher aus unterschiedlichen Ländern kommen und dass Kindertagebetreuung in jedem Land so unterschiedlich ist, dass wir einen gemeinsamen Ausgangspunkt finden mussten“, erläutert Julia Fröhlich.

Die Deutschkenntnisse der Teilnehmenden waren gut. Dennoch wurde versucht, die Qualifizierung in einfacher Sprache zu gestalten. Zusätzlich wurden Videos eingesetzt.

Tipps

Julia Fröhlich betont, dass es bei der Qualifizierung nicht ausschließlich darum geht, dass etwas vermittelt wird. „Auch wir haben ganz viel gelernt. Der Austausch ist so wertvoll. Es muss nicht immer ein teurer Referent sein oder eine teure Fachtagung. Ich bin so dankbar für die Gespräche und den Austausch mit den Kulturdolmetschern“.

Die Inhalte der Qualifizierung sollten sehr niedrigschwellig sein: Warum braucht ein Kind eine Matschhose? Warum muss ein Kind entschuldigt werden, wenn es krank ist? Wenn die Kulturdolmetscherinnen und Kulturdolmetscher dies bereits vermitteln, erleichtert das die Arbeit der Kita-Leitungen und pädagogischen Fachkräfte.

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