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Familienbegleiterinnen als erste Ansprechpersonen im Stadtteil

Die FamilienbegleiterinnenDas Team „Kita-Einstieg“ aus Osnabrück (hintere Reihe) mit den fünf Familienbegleiterinnen (vordere Reihe)

In Osnabrück unterstützen im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ Familienbegleiterinnen die Familien bei verschiedenen Anliegen rund um die frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung. Ziel ist es, die Familien über das Bildungssystem zu informieren. Die Familienbegleiterinnen arbeiten dabei ressourcenorientiert und kultursensibel.

Ein Angebot für alle Familien

Das Angebot ist offen für alle Familien, insbesondere für Familien mit Migrationshintergrund und Familien mit geringen finanziellen Ressourcen, die noch keinen Zugang zur Bildung haben.

Die Familienbegleiterinnen lernen die Familien auf ganz unterschiedlichen Wegen kennen: Über die Kita, andere Familien, Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner, Facebook-Gruppen, Moscheen, Flyer oder Angebote, an denen die Familien teilgenommen haben. Mund-zu-Mund-Propaganda spielt dabei eine besonders große Rolle.

Die Familien sprechen die Familienbegleiterinnen auch direkt auf Spielplätzen, beim Einkaufen oder beim Arzt an. Da die Familienbegleiterinnen selbst im Stadtteil wohnen und ihre Kinder den Kindergarten oder die Grundschule besuchen, werden sie häufig von den Familien erkannt.

Einzelberatung und Gruppenangebote

Die Familienbegleiterinnen besuchen die Familien in ihrem Zuhause und bieten Einzelberatung an. Darüber hinaus finden vielfältige Angebote statt, um die Familien zu unterstützen und auch den Kontakt und Austausch unter den Familien zu fördern. Das Vertrauen der Familien in die Familienbegleiterinnen ist dabei sehr groß. „Wenn wir nicht dabei wären, würden die nicht mitkommen“, erläutert Familienbegleiterin Güzüde Önder. So haben sie zum Beispiel gemeinsam eine Kirche, eine Moschee sowie eine Synagoge besucht. Die Familienbegleiterinnen unterstützen außerdem die Mutter-Kind-Gruppen. „Die Kinder kommen anschließend mit ganz anderen Vorerfahrungen zu uns in die Kita “, berichtet Gisela Wiesner, Leiterin der Kooperations-Kita Heiligenweg in Osnabrück.

Eine Weltreise durchs Wohnzimmer

Ein Angebot der Familienbegleiterinnen ist die „Weltreise durchs Wohnzimmer“. Ziel ist es, die Distanz zwischen Müttern aus verschiedenen Herkunftsländern zu verringern, Missverständnisse aufzuklären und mehr voneinander zu erfahren. Die teilnehmenden Frauen öffnen für ein bis zwei Stunden ihr Wohnzimmer, berichten von ihrer Heimat und bieten landestypisches Essen an. Dabei entstehen viele Aha-Momente, die einander besser verstehen lassen. „Es heißt nicht, dass ich alles richtig finde, was die Frauen tun. Aber ich habe ein anderes Bild und kann sie besser verstehen“, erläutert Karin Hooper, Kita-Einstieg-Fachkraft in Osnabrück.

Im Kosovo findet die medizinische Versorgung zum Beispiel nur in Krankenhäusern statt. Es gibt keine Hausärzte. „Wir müssen also aufklären, welcher Arzt in Deutschland für was zuständig ist,“ erläutert die Familienbegleiterin Güzüde Önder. Im Libanon gibt es keine Rentenversicherung oder Altersvorsorge, weshalb die Jungen das Leben der Eltern im Alter absichern. „Deswegen wünschen sich die Familien Jungs“, erklärt Familienbegleiterin Nadja Saad. In Vietnam spielt das passende Sternzeichen für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern eine große Rolle. Passt es nicht gut zusammen, wird davon ausgegangen, dass die Beziehung getrübt sein wird. „Es hat Sinn gemacht, um zu verstehen, wie die Mutter mit ihrem Kind umgegangen ist“, berichtet Kita-Einstieg-Fachkraft Karin Hooper.

Das Erfolgsrezept: Beziehungsarbeit

Ein Erfolgsmerkmal der Familienbegleiterinnen ist ihre sehr enge Beziehung zu den Familien. Über ihre privaten Telefonnummern sind sie jederzeit erreichbar. „Die Familien brauchen immer die Verbindung und man muss immer in Kontakt bleiben, sonst läuft das nicht“, erläutert Familienbegleiterin Necla Mutlugünes. „Wenn wir nicht erreichbar wären, würde das gar nicht funktionieren. Wir waren sogar schon mit im Kreissaal. Das zeigt auch, wie sehr uns die Mütter vertrauen“, ergänzt Familienbegleiterin Nadja Saad. Doch dies bringt auch eine Herausforderung mit sich: Distanz zu wahren.

Die Familienbegleiterinnen arbeiten eng mit den Kooperations-Kitas in Osnabrück zusammen. Wöchentlich besuchen sie die Kitas und unterstützen zum Beispiel bei Elterngesprächen. „Zwischen den Familienbegleiterinnen und den Familien gibt es eine ganz enge Beziehung. Jede Familienbegleiterin hat ihre festen Familien. Die Familien wissen - wenn ich etwas will, gehe ich zu dieser Frau, die kann mich unterstützen“, erläutert die Kita-Leiterin Gisela Wiesner.

Die Familienbegleiterinnen unterstützen die Elternarbeit der Kitas auch als Dolmetscherinnen. Der Vorteil gegenüber einem Dolmetscherpool: Die gute Beziehung zu den Familien. „Die Familienbegleiterinnen sind Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit. Es ist etwas anderes, wenn mir jemand in der Muttersprache sagt, dass ich für mein Kind Frühförderungen organisieren sollte. Dann hat das eine andere Qualität. Das Gefühl der Muttersprache. Und darüber können wir miteinander arbeiten“, betont Gisela Wiesner.

Qualifizierung

Voraussetzung für die Tätigkeit als Familienbegleiterin ist es, eigene Kinder zu haben, eine andere Sprache neben Deutsch zu sprechen sowie eine Qualifizierung zu absolvieren.

Die Qualifizierung orientiert sich an der Ausbildung zur Kindertagespflegeperson. Sie umfasst 180 Stunden und wird von der Kita-Einstieg-Fachkraft Karin Hooper durchgeführt. Bei bestimmten Themen wird sie von verschiedenen Referentinnen und Referenten unterstützt.  

Haben die Familienbegleiterinnen ihre Arbeit aufgenommen, treffen sie sich einmal die Woche, um sich auszutauschen und ihre Arbeit zu reflektieren. Es werden gemeinsam neue Angebote geplant und auch Fort- und Weiterbildungen durchgeführt. „Das macht eine hohe Fachlichkeit aus“, erläutert Daniela Stelthove aus der Koordinierungs- und Netzwerkstelle Kita-Einstieg in Osnabrück.

Familienbegleitung ist eine bezahlte Tätigkeit. Die Familienbegleiterinnen sind als Honorarkräfte bei den Trägern der Kooperations-Kitas angestellt und erhalten 10,00 Euro pro Stunde. Sie können auch von Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern gebucht und bezahlt werden.

Tipps

„Wichtig ist eine feste Ansprechperson, die alles in die Hand nimmt, organisiert und mit den Familienbegleiterinnen ihre Arbeit reflektiert“, betont Karin Hooper. Regelmäßige Treffen seien besonders wichtig, um sich gegenseitig Tipps zu geben und Ideen auszutauschen.

Bei den Angeboten sollte es außerdem eine große Abwechslung geben und stetig geprüft werden, was gut funktioniert. „Unsere Stärke ist: Wir halten uns nicht mit Dingen auf, die nicht funktionieren. Wenn der Flyer nicht funktioniert, dann haben wir halt keinen, auch wenn es sonst üblich ist“, betont Gisela Wiesner.

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