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Eltern-Kind-Café in Köthen

In idyllisch ländlicher Gegend befindet sich Köthen - die Kreisstadt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Seit Mai 2018 bereichert hier das Eltern-Kind-Café von Antje Graaf das Stadtgebiet und bietet Familien mit Migrations- und Fluchterfahrungen die Möglichkeit des Zusammenkommens. Es ist ein offenes Angebot für Familien, die bisher noch wenig Berührungspunkte mit Kindertagesbetreuung hatten. Die meisten Familien kommen aus Somalia und Eritrea, aber auch Ungarn, Iran und Syrien. Viele sprechen deutsch, einige tauschen sich auf Italienisch oder Arabisch aus.

Mit verschiedenen Aktivitäten werden die Familien beim Eltern-Kind-Café angesprochen und dabei für das Thema Kinderbetreuung sensibilisiert. Die Eltern und Kinder malen, basteln oder lesen gemeinsam in Kinderbüchern. Die hellen Räumlichkeiten der Evangelischen Kirchengemeinde St. Jakob bieten viel Platz - die Tür ist stets geöffnet und Frau Graaf nimmt alle Neuankömmlinge herzlich in Empfang. Die meisten spricht sie mit Vornamen an, da viele schon häufiger an dem monatlichen Treffen teilgenommen haben.

Während die Kinder sich in einer gemütlichen Ecke mit den Spielmaterialien und Büchern beschäftigen, besteht auch immer ausreichend Gelegenheit, sich mit den Eltern auszutauschen. Antje Graaf fragt, wo der Schuh drückt - zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen, der Kommunikation mit Ämtern oder bei der Suche nach einem Betreuungsplatz. Anschließend kann sie die Familien gezielt beraten und nach Möglichkeit auch bei ihren Terminen begleiten. Unterstützt wird sie dabei von Steffi Grohmann-Louizou, der leitenden Migrationsberaterin der Evangelischen Kirchengemeinde St. Jakob und von Petra Brettschneider der Initiative „Willkommen in Köthen – weltoffen und bunt“, die seit Beginn das Angebot des Eltern-Kind-Cafés ehrenamtlich begleitet.

Vier Frauen und ein Kind sitzen am TischAntje Graaf und Petra Brettschneider zusammen mit Teilnehmerinnen im Eltern-Kind-Cafe

Ernährungsberatung im Eltern-Kind-Café

Im Eltern-Kind-Café finden immer wieder ergänzende Angebote statt. Besonders wichtig ist etwa die Ernährungsberatung. „Die Ernährung und die Umstellung auf die Mahlzeiten in der Kita stellen für viele Kinder häufig eine Herausforderung dar“ berichtet Frau Graaf, da in Kindertageseinrichtungen meist mit wenigen Gewürzen und Salz gekocht wird. Eine eingeladene Referentin spricht mit den Eltern und Kindern über gesunde Ernährung. Frau Graaf spricht fließend italienisch und übersetzt für einige Teilnehmenden ins Italienische, während Frau Brettschneider die Kinder beim Spielen begleitet. Mit Würfelzucker schätzen alle gemeinsam den Zuckergehalt verschiedener Lebensmittel ein und informieren sich über die Ernährungswerte verschiedener Produkte aus dem Supermarkt. Im Anschluss werden Obst- und Gemüsespieße zubereitet, ein Joghurt angerührt und in gemeinsamer Runde gegessen. Auch eine Zahnärztin vom Jugendzahnärztlichen Dienst wurde in der Vergangennheit bereits eingeladen, um die Eltern und Kinder zur Zahnpflege zu beraten. Perspektivisch plant Frau Graaf ein Beratungsangebot zum Thema Impfungen, „weil es ein aktuelles und wichtiges Thema ist und manche Familien in ihren Herkunftsländern auch keinen Zugang zu Impfungen hatten.“

„Es zählt vor allem der direkte Kontakt“

Frau Graaf ist es wichtig, dass die Familien an der Gestaltung des Treffens mitwirken können. Was bei den monatlichen Treffen angeboten wird, hängt auch von ihren Wünschen ab. So wurden schon Spielplätze oder der Tierpark besucht, zu St. Martin Laternen gebastelt oder bei schönem Wetter auch einfach im Hof gespielt. Eltern und Kinder sammeln dabei schöne Erfahrungen: „Man merkt, dass es beiden Seiten gut tut, etwas gemeinschaftlich zu gestalten“ erzählt die Migrationsberaterin Steffi Grohmann-Louizou.

Das Eltern-Kind-Café wird von den Familien gut angenommen und geschätzt. Sie tragen es weiter und bringen gelegentlich auch andere interessierte Eltern mit ihren Kindern mit. Für Frau Graaf und ihre Mitstreiterinnen zählt vor allem der direkte Kontakt. „Die Erfahrung zeigt, dass es bei den Eltern eher ankommt, wenn man noch einmal ins persönliche Gespräch geht“ berichtet Frau Graaf. „Wer nicht persönlich noch einmal angesprochen und eingeladen wird, kommt meistens auch nicht zum nächsten Treffen“ ergänzt Frau Grohmann-Louizou. Der Zugang über Flyer oder Aushänge hat sich in der Vergangenheit weniger bewährt, da nicht alle potenziellen Teilnehmenden lesen können.

Sprachliche Barrieren geschickt umgehen

Herausforderungen ergeben sich nicht selten durch sprachliche Barrieren. Sprachliche Hürden nehmen die Initiatorinnen des Eltern-Kind-Cafés durch Piktogramme, Übersetzungen bei Vorträgen oder andere Hilfsmittel. Frau Graaf berichtet, dass auch die Planbarkeit Herausforderungen birgt: „Man weiß nie, wie viele kommen werden - mal kommen wenige, mal doppelt so viele wie geplant.“ Auch die Pünktlichkeit oder das gänzliche Wegbleiben der Familien gilt es immer wieder zu hinterfragen und aufzuarbeiten, „aber man freut sich, dass so viel Zuwachs dabei ist.“

Tipps

Wichtig ist es, Familien persönlich anzusprechen und einzuladen, um mögliche Hemmschwellen zu nehmen und sie für ein Angebot zu gewinnen. Sammeln die Familien während des Angebots positive Erfahrungen, kommen sie auch zu einem weiteren Treffen und bringen vielleicht auch andere Familien mit. Dafür ist es vor allem wichtig, den Bedarf der Familien vorab zu ermitteln, um diesem mit passenden Angeboten zu begegnen.

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