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Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Bedarfsorientierte Fortbildungen und achtsame Übergänge im „Kita-Einstieg“

Zwischen grünen Bergen und Burgen hat sich Weinheim die Kultursensibilität auf die Fahnen geschrieben: Interkulturelle Erziehung und Willkommenskultur haben in der Kleinstadt einen besonderen Stellenwert. Beide Themen sind seit 2016 fest in der Trägerkonzeption der Stadt verankert. Seit August 2017 engagiert sich die größte Stadt im Rhein-Neckar-Kreis zudem im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“. Christine Schmitt vom Amt für Bildung und Sport koordiniert hier seit August 2018 den Kita-Einstieg. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Amtsleiter Andreas Salewski und den „Kita-Lotsinnen“ Jenny Herres und Johanna Knapp bilden sie ein engagiertes und kreatives Team, welches die Bedarfe der Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund aber auch der anderen Menschen in der Stadt genau in den Blick nimmt. 

Sitzecke mit Tisch.Die Räumlichkeiten des Eltern-Kind-Cafés.
Drei Frauen und ein Mann stehen am TischVon Links: Jenny Herres, Christine Schmitt, Johanna Knapp und Andreas Salewski.
Sitzbänke mit Tischen und dekorierenden Flügeln an der Wand.Die Räumlicheiten des Zentrums für Inklusion in Weinheim.

Familien mit Fluchthintergrund willkommen heißen

„Wir suchen die neu ankommenden Familien auf und begrüßen sie mit einem Willkommenspaket“, berichtet Jenny Herres, die von Beginn an das Bundesprogramm begleitet. Das Paket beinhaltet zum Beispiel Kinderbücher in den jeweiligen Muttersprachen, Informationsmaterialien über das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ und Flyer in Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch oder Türkisch. Die aufsuchenden Lotsinnen informieren die Familien über die unterschiedlichen Angebote zur Kindertagesbetreuung, unternehmen gemeinsame Kita-Besuche und beraten die Familien zu allen Themen, die ihnen auf dem Herzen liegen. Bei dem wöchentlichen Eltern-Kind-Café, in den neuen Räumlichkeiten des örtlichen Zentrums für Inklusion, knüpfen Eltern neue Kontakte und haben die Gelegenheit, sich auszutauschen. Zusätzlich informiert das Team parallel die örtlichen Kitas und Träger mit einem Newsletter über das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“, der auch praktische Impulse und Ideen für die Arbeit mit geflüchteten Familien beinhaltet.

Bedarfsorientierte Fortbildungen der Kita-Fachkräfte

Die Stadt Weinheim bietet seit vielen Jahren ein flächendeckendes Fortbildungsprogramm für die pädagogischen Fachkräfte an. Jährlich finden bis zu 30 verschiedene Veranstaltungen statt. Doch welches sind die wichtigsten Fortbildungsbedarfe und -themen bei den pädagogischen Fachkräften im Bereich der Interkulturalität? Eine Studierende der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ging dieser Frage in einer Forschungsarbeit nach. Die Antworten zeigen, dass die pädagogischen Fachkräfte vor allem an den Themen wie dem Umgang mit traumatisierten Kindern, rechtlichen Rahmenbedingungen wie dem Asylrecht und kultureller Vielfalt in Kitas interessiert sind. Dem Wissensbedarf der pädagogischen Fachkräfte konnte mit einer Qualifizierungsinitiative im Rahmen des Bundesprogramms „Kita-Einstieg“ nachgegangen werden. So finden in Weinheim jährlich bis zu vier themenspezifische Fortbildungen statt, beispielsweise zur kultursensitiven Eingewöhnung, zur kulturellen Vielfalt oder zu der Arbeit mit geflüchteten Kindern und ihren Familien.

Über die Bedeutung achtsam gestalteter Übergänge

Besonderen Wert legt das Team um Frau Schmitt auf die sensible Gestaltung der Übergänge. Diese umfasst sowohl den „Kita-Einstieg“ als auch den Übergang in die Grundschule. Der Übergang in die Kindertagesbetreuung ist für alle Kinder und Eltern etwas Besonderes. Oft sind die Familien mit Fluchterfahrung nicht mit den hiesigen Strukturen und dem Bildungssystem vertraut. Die Kinder haben vorher oft ihr Leben eng mit ihren Eltern verbracht und sehen sich nun der Herausforderung gegenübergestellt, ihren Alltag mit (noch) unbekannten Erwachsenen und Kindern in einer unbekannten Umgebung zu verbringen. Auch für die Eltern ist der Trennungsprozess häufig mit Ängsten und Sorgen verbunden. Das Team „Kita-Einstieg“ in Weinheim ist sich dem bewusst und nimmt sich viel Zeit, Vertrauen zu den Familien aufzubauen und den Übergang zu begleiten. Frau Herres unterstützt die Familien bei der Eingewöhnung in die Kitas, klärt über die dortigen Alltagsrituale auf und hilft den Familien und pädagogischen Fachkräften im Trennungsprozess. „Die Kitas schätzen, dass noch mal jemand ein besonderes Augenmerk auf die Bedarfe dieser Familien legt“, erzählt Frau Schmitt.

Ohne Umwege in die Grundschule?

Auch bei dem Übergang in die Grundschule versuchen Frau Knapp und ihre Kolleginnen die Familien bestmöglich vorzubereiten: Durch Besuche der nahegelegenen Grundschule, der Räumlichkeiten und der Lehrkräfte sollen Vorbehalte, Ängste und Sorgen bei Kindern und Eltern abgebaut werden. Einige Kinder mit Fluchterfahrung stehen in Weinheim kurz vor dem Eintritt in die Grundschule, ohne vorher eine Kita besucht zu haben – meist, weil nicht kurzfristig genug Plätze zur Verfügung stehen. Mit großem Engagement versucht das Team „Kita-Einstieg“ für diese Kinder ein Brückenangebot zu schaffen. Vor Schulbeginn soll ihnen damit ermöglicht werden, noch ein paar Wochen oder Monate ähnliche Strukturen wie in einer Kita zu erleben und kennenzulernen: Freispiel, Morgenkreis, Zählen, gemeinsames Essen und Liedersingen – ein klassischer Kita-Alltag, um den Kindern den Übergang in das Bildungssystem etwas zu erleichtern. Für diese Kinder findet zwei Mal wöchentlich eine Vorschulgruppe im nahegelegenen Hort statt. Der Vorteil: Die Räumlichkeiten des Hortes sind vormittags ungenutzt und die Auswahl an Materialien und Spielsachen ist groß.

Herausforderungen und Lösungsansätze

„Es gibt Familien, die wir nur schlecht erreichen, insbesondere wenn diese in Privatunterkünften wohnen“, berichtet Frau Schmitt. Die enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern hilft dabei sehr. Diese haben einen guten Überblick und wissen, wenn neue Familien ankommen. So können Frau Herres und ihre Kolleginnen die Familien gezielt aufsuchen, sie willkommen heißen und die Angebote im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ vorstellen. Sprachliche Barrieren bilden im „Kita-Einstieg“ ebenfalls häufig eine Herausforderung. Eltern und pädagogische Fachkräfte in den Kitas helfen gerne, wenn entsprechende Sprachkenntnisse vorhanden sind. „Ergänzend haben wir auch gute Erfahrungen mit Bilder- und Sprachkarten und der Verwendung einfacher Sprache gemacht. Wir versuchen die Schulen und andere Institutionen mit Blick auf Informationsschreiben dafür zu sensibilisieren“, erklärt Frau Herres.

Ideenreichtum im Zuge der Verstetigung

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Von Brückenangeboten und Newslettern, wandernden Materialkoffern und Bücherkisten, einem Patenschaftsmodell unter den Eltern, um neu ankommende Familien in den Kitas zu begleiten, Wegweiser in einfacher Sprache bis hin zu der Entwicklung einer Kita-App – dem Team „Kita-Einstieg“ in Weinheim gehen die Ideen nicht aus. Im Zuge der Verstetigung sollen zudem interkulturelle Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Kitas geschult werden, „damit das in Fortbildungen erlangte Wissen nicht verloren geht“, berichtet Frau Schmitt. Künftig wollen die Lotsinnen mit den Familien auch Stadtteilspaziergänge unternehmen, um ihnen die Stadt und dessen (Bildungs-) Angebote wie Schulen, Kitas, Spielplätze, Bibliotheken oder die Musikschule näherzubringen.

Tipp

Weinheim veranstaltet zwei Mal jährlich einen trägerübergreifenden Austausch der pädagogischen Fachkräfte sowie der Kita-Leitungen. Dieser bietet Gelegenheit, wissenswerte Inhalte und Informationen zu streuen und über wichtige Themen, wie beispielsweise die Eingewöhnung oder Unterstützungsmöglichkeiten bei Sprachbarrieren, zu informieren.

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