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Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Angebotsvernetzung im „Haus Jule“

Mosaikbild mit einem Haus, in dem zwei Erwachsene und zwei Kinder stehen.Das „Haus Jule“, das beim Frühlingserwachen gemeinsam von Fachkräften, Eltern und Kindern aus Mosaiksteinen gestaltet wurde.

Jeden Montag und Mittwoch finden im Jugendberatungs- und Familienzentrum „Haus Jule“ Bewegungsangebote und eine Kreativwerkstatt im „Kita-Einstieg“ statt. Auch an anderen Tagen bietet das Familienzentrum Aktivitäten wie Sprachkurse, die „Gute Laune Gruppe für Kids“ oder eine Krabbelgruppe an. Die Koordinatorin Dana Förster und ihre Kollegin Fatima Solimann haben lange an dem Wochenplan gefeilt – ein Prozess, der sich seit Beginn an den Bedürfnissen der Familien orientierte. Unterstützt werden sie dabei von Marleen Kosmann, die das „Haus Jule“ seit mehreren Jahren engagiert leitet. Und es hat sich gelohnt - die Angebote sind immer gut besucht. „Die meisten Teilnehmenden kennen sich mittlerweile gut, da sie schon lange kontinuierlich an den Angeboten teilnehmen“, erzählt Dana Förster. Viele Familien kommen anfangs mit ganz konkreten Anliegen und Bedarfen ins „Haus Jule“. Sie suchen zum Beispiel Unterstützung bei der Suche nach einem Kita-Platz oder haben Fragen im Umgang mit Ämtern und Behörden. Andere kommen, weil Freunde oder Bekannte die Angebote empfohlen haben. Gelegentlich bringen die Teilnehmenden auch weitere Familienmitglieder mit, was dann eine sehr vertraute Atmosphäre schafft.

Alles unter einem Dach – „das hilft uns sehr“

Mit der Zeit ist sichtbar geworden, dass der Bedarf der Familien an Beratung sehr groß ist. Die Familien kommen mit Fragen zu Entwicklung oder Ernährung der Kinder, erkundigen sich über die Eingewöhnung in die Kita oder haben Beratungsbedarf im beruflichen Kontext – „Wie geht es weiter?“ Die Kita-Einstiegs-Fachkräfte nehmen sich dafür Zeit, vereinbaren Termine oder versuchen am Rande der Angebote ins Gespräch zu kommen und Hilfestellungen zu geben. Das „Haus Jule“ befindet sich in der Trägerschaft des Sozialpädagogisches Institut Berlin „Walther May“ (SPI) und beteiligt sich seit März 2018 im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“. Unter seinem Dach vereint es viele verschiedene Angebote wie Kinderyoga oder Kreatives Schreiben, eine Krabbelgruppe, Sprachkurse, eine Familienküche oder eine Kreativ-Werkstatt in der gebastelt, gemalt und gestaltet wird. Auch Programme wie „Stark im Beruf“ - ebenfalls gefördert durch das Bundesfamilienministerium - sowie verschiedene Beratungsangebote zur Berufsorientierung, Sozialpädagogische Familienhilfe oder Projekte im Bereich des Gemeinwesens finden sich auf den vier Etagen des Hauses wieder. Die kurzen Wege, die das Haus bietet, erleichtern den Eltern den Zugang zu den verschiedenen Angeboten und schaffen eine vertraute Atmosphäre. Auch die Fachkräfte können sich untereinander auf kurzem Wege austauschen und gemeinsam auf die aktuellen Bedürfnisse der Familien reagieren.

Raum mit Eltern, Kindern und Bewegungselementen.Das wöchentliche Bewegungsangebot nach Hengstenberg und Pikler im „Haus Jule“ im Rahmen der Eltern-Kind-Gruppe.

Im „Haus Jule“ herrscht stets Bewegung!

Jeden Montagmorgen findet ein Bewegungsangebot statt. Um neun Uhr finden sich alle Eltern und Kinder in dem großen, bunten und fröhlich gestalteten Raum im „Haus Jule“ ein. Überall sind Matten, Spielzeuge und weiche Stofftiere verteilt. Gemeinsam wird zu Beginn ein großer Kreis gebildet – die kleinsten Kinder befinden sich dabei in der Kreismitte und beobachten gespannt das Geschehen. Fatima Solimann übersetzt für die Mütter, Väter und Kinder ins Arabische. Gemeinsam tanzen und bewegen sich die Teilnehmenden zur Musik. Im Anschluss können sich die Kinder an den Geräten ausprobieren. Die Bewegungselemente orientieren sich an den Methoden von Elfriede Hengstenberg und Emmi Pikler. Sie wurden entwickelt, um Kindern die Möglichkeit zu geben, sich dem eigenen Tempo und Entwicklungsstand entsprechend auszuprobieren. Klettergerüst, Krabbel-Labyrinth, Pikler-Dreieck und Kippel-Scheiben – für jedes Kind ist etwas dabei. „Dabei bauen auch Eltern Ängste ab, wenn sie sehen, wie ihre Kinder auf den Klettergerüsten ihre ersten Erfahrungen sammeln oder welche motorischen Fähigkeiten sie schon haben“, berichtet Dana Förster. Die Teilnahme am Bundesprogramm hat ermöglicht, die Geräteausstattung zu erweitern, sodass die Kinder verschiedene Bewegungsformen erproben können. Bei dem Angebot bleibt jedoch auch genug Zeit und Raum für ruhige Aktivitäten und Austausch. Die Väter und Mütter spielen mit ihren Kindern Brettspiele und bauen Türme aus großen Polsterbausteinen. Andere schauen sich gemeinsam Bücher an oder tauschen sich bei einer Tasse Kaffee aus.

Aufgebaute Kooperationsstrukturen halten

Derzeit arbeitet das Team im „Haus Jule“ an der Weiterentwicklung ihrer Konzeption. Die im „Kita-Einstieg“ entwickelten Angebote werden hier fest verankert. In dem kommenden Jahr wollen sich Frau Förster und ihre Kolleginnen an den Jugendhilfeausschuss, Arbeitskreise und die etablierten Gremien wenden, um die Verstetigung der Kita-Einstieg-Angebote zu verfolgen. „Wir müssen unser Anliegen dort vortragen, wo die Entscheider sitzen“, macht Dana Förster deutlich. Aber auch der enge Kontakt zu der Universität in Cottbus oder zu zwei kooperierenden Kitas bietet Unterstützung, auf die sich aufbauen lässt. Schon jetzt besucht Fatima Solimann mit zwei Kindern aus dem „Kita-Einstieg“ regelmäßig eine der kooperierenden Kitas in der Nachbarschaft und gestaltet dort mit den Gruppen Angebote zum Thema Zahlen, Buchstaben oder Kulturen.

Herausforderungen

Die Suche nach geeigneten Kita-Plätzen gestaltet sich auch in Cottbus nicht einfach. Die Nachfrage ist deutlich größer als das Angebot. Dana Förster und Fatima Solimann begleiten die Eltern so oft wie möglich bei dem ersten Kontakt mit den Kitas. „Es hat sich bewährt, dass immer jemand begleitet, der Deutsch spricht und hier auch bei Bedarf übersetzen und unterstützen kann“, berichtet Dana Förster. Insbesondere wenn die Kinder schon im Vorschulalter sind und bald in die Schule kommen, fehlt es an Brückenangeboten, um die Kinder auf den Übergang in das Schulsystem vorzubereiten. Umso erfreulicher ist, dass durch den „Kita-Einstieg“ ein Vorschulprojekt angestoßen wurde, das nun an drei Grundschulen verstetigt und von der Stadt Cottbus gefördert wird. Durch den „Kita-Einstieg“ gelingt es aber gut, das Vertrauen in das hiesige Bildungssystem zu fördern und mögliche Vorbehalte abzubauen. Auch Sprachbarrieren bergen häufig Herausforderungen. Durch das Bundesprogramm konnten Fachliteratur und Bilderkarten in den Angeboten ergänzt werden, die sich bei sprachlichen Barrieren bewährt haben und gleichzeitig als Lernkarten genutzt werden.

Tipps

„Regelmäßig stattfindenden Angebote werden besser angenommen“, berichtet Dana Förster. Es gibt einen festen Wochenplan, der Orientierung bietet und auf den die Familien sich verlassen können. Neben festen Strukturen ist es jedoch genauso wichtig, flexibel zu bleiben und sich an den Bedürfnissen der Familien zu orientieren. Marleen Kosmann ergänzt um ein Sprichwort, dass im ganzen Haus gelebt wird: „Jeder Plan ist Mist, wenn er nicht zu ändern ist."

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