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Eine Erfolgsgeschichte, die den Nerv trifft – Das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ in Hamburg

Jana Tietje und Christine Laufert beim Fachtag Kita-Einstieg in Hamburg.Jana Tietje (links) und Christine Laufert (rechts) beim Fachtag Kita-Einstieg in Hamburg.

Seit April 2017 nimmt Hamburg am Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ teil. Umgesetzt wird das Programm durch die Kita-Kulturlotsinnen und Kita-Kulturlotsen sowie durch vielfältige Qualifizierungsmaßnahmen.

Kita-Kulturlotsinnen und Kita-Kulturlotsen

  • Ihre Aufgabe ist es, die Familien auf dem Weg in die Kita „zu lotsen“. Dazu zählt zum Beispiel, Eltern zu beraten und zu informieren, sie bei Behördengängen zu begleiten, Kita-Besuche zu organisieren und bei der Kommunikation mit der Kita zu unterstützen. Dafür stellen sie verteilt über ganz Hamburg vielfältige und individuelle Angebote auf die Beine und vernetzen sich mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren in ihrem jeweiligen Sozialraum. Die aktuell zwölf Kita-Kulturlotsinnen und Kita-Kulturlotsen sind pädagogische Fachkräfte, die bei unterschiedlichen Trägern angestellt sind.
  • Die Zielgruppen der Angebote unterscheiden sich je nach Standort. „Die meisten Standorte haben sich auf Neuzugewanderte konzentriert“, berichtet Jana Tietje, die für den Praxistransfer zuständig ist. Die Angebote wurden vorrangig in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften angesiedelt. mehr

Qualifizierungsmaßnahmen

  • Für pädagogische Fachkräfte werden verbandsübergreifend Fortbildungen zu unterschiedlichen Themen angeboten. Gerade bei der Aufnahme von neuzugewanderten Familien stellen sich für pädagogische Fachkräfte neue Herausforderungen. Inhalte wie „Kulturelle Vielfalt, Traumapädagogik oder interkulturelle Elternzusammenarbeit“ sollen die Pädagoginnen und Pädagogen bei ihrer fachlichen Arbeit unterstützen. Zusätzlich können Kitas in Hamburg für Elterngespräche Sprach- und Kulturmittlerinnen bzw. Sprach- und Kulturmittler über die Koordinierungsstelle abrufen. Diese haben eine zertifizierte Qualifizierung durchlaufen und werden zusätzlich im Bereich Kita geschult. Das Angebot richtet sich insbesondere an die Kita-Kulturlotsinnen und Kita-Kulturlotsen sowie die pädagogischen Fachkräfte der Anker-Kitas. Aber auch die Qualifizierungsexpertinnen und -experten können die Sprach- und Kulturmittlerdienste in Anspruch nehmen. Kooperationspartner ist das Lehrinstitut für Lehrerfortbildung.

In Hamburg gibt es somit Angebote für alle drei Zielebenen des Bundesprogramms: Information & Aufklärung, niedrigschwellige pädagogische Angebote sowie Qualifizierungsmaßnahmen.

Alle Projekte im Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ werden durch eine Koordinierungs- und Netzwerkstelle gesteuert. Ihr Ziel ist es, die Projekte zu vernetzen, den Praxisaustausch zu unterstützen und den Transfer ins gesamte Stadtgebiet zu fördern. Angesiedelt ist die Koordinierungs- und Netzwerkstelle bei der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e.V. (AGFW).

Insgesamt gibt es in Hamburg zehn Anker-Kitas, die unterschiedlichen Trägern angehören. Eine Besonderheit, die für das ganze Projekt gilt: „Alle arbeiten sehr partnerschaftlich zusammen. Es gibt Kooperation statt Konkurrenzdenken. Das macht uns die Arbeit nicht nur leichter, sondern dadurch können wir auf ein großes Netzwerk zugreifen und viel einfacher nachhaltige Strukturen schaffen“, erläutert Christine Laufert, Leiterin der Koordinierungs- und Netzwerkstelle.

Erste Erfolge

Jana Tietje beschreibt erste Erfolge der Kita-Kulturlotsinnen und Kita-Kulturlotsen: „Eine Kita-Kulturlotsin war erst eine Woche an Bord und hatte da schon zwei Eltern in eine Kita begleitet und ihnen einen Platz verschafft. In der Kürze der Zeit! Das zeigt, wie wichtig und notwendig eine gezielte Begleitung ist.“

Die Kita-Kulturlotsinnen und Kita-Kulturlotsen werden außerdem als Vertrauenspersonen wahrgenommen: von Eltern, von Behörden, von Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern. „Alle melden zurück: ‘Genau das brauchen wir hier‘. Das ist eine Erfolgsgeschichte und trifft den Nerv“, erläutert Jana Tietje.

Vernetzung ermöglicht Praxistransfer mit großer Reichweite

Ein breites Netzwerk ist daran beteiligt, das Bundesprogramm „Kita-Einstieg“ in Hamburg umzusetzen. Dazu zählen zum Beispiel die Wohlfahrtsverbände, Träger, (Anker-)Kitas, Behörden, Bezirksämter, Elternlotsinnen und Elternlotsen, Bücherhallen, verschiedene Gremien sowie das Unterkunftsmanagement der Flüchtlingsunterkünfte. Der positive Effekt: Durch das Netzwerk ist die Reichweite besonders groß – so wird der Praxistransfer gefördert.

Viele Vernetzungsstrukturen bestanden schon vor Programmstart. „Es gibt in Hamburg sehr viele Netzwerke. Das schwierige ist, das alles unter dem Dach „Kita-Einstieg“ zusammenzuführen“, berichtet Christine Laufert. Sie empfiehlt, bereits bestehende funktionierende Strukturen zu nutzen. „Das ist gewinnbringend.“ Vernetzung nimmt viel Zeit in Anspruch. Es sollte deshalb geprüft werden, welche Netzwerke wichtig sind“, erläutert Christine Laufert.

Ein Internetportal für alle

Um den Austausch und die Vernetzung unter pädagogischen Fachkräften zu unterstützen, hat die Koordinierungs- und Netzwerkstelle Kita-Einstieg in Hamburg ein Internetportal entwickelt. Dieses zeigt anschaulich, wie das Bundesprogramm in der Praxis umgesetzt wird und informiert über Angebote der Kulturlotsinnen und -lotsen sowie Veranstaltungen und Fortbildungstermine. Über Blogeinträge werden zudem Best-Practice-Beispiele vorgestellt und über aktuelle Themen berichtet.

In einem internen Netzwerkbereich können sich Fachkräfte über Beispiele guter Praxis oder verschiedene pädagogische Fragen austauschen. Zudem stehen Neuigkeiten rund um den „Kita-Einstieg“ sowie ein Downloadbereich zu Verfügung, der verschiedene Informations- und Beratungsmaterialien für den pädagogischen Alltag bereithält. Eingeladen sind nicht nur Hamburger Fachkräfte, sondern Erzieherinnen und Erzieher aus ganz Deutschland. Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen, gelungene Beispiele aus Hamburg weiterzutragen und sich gegenseitig zu vernetzen und zu inspirieren. 

Tipps

Bevor die pädagogischen Fachkräfte im Projekt Kita-Einstieg mit ihrer Arbeit beginnen, sollte eine Rollenfindung stattfinden. „Was bedeutet es, eine Kita-Kulturlotsin zu sein und was macht die eigentlich? Wo liegt das Aufgabengebiet? Das muss zu Beginn definiert werden. Wichtig ist auch die Transparenz und Kommunikation gegenüber dem Kita-Team“, betont Jana Tietje. Regelmäßige Supervision, begleitende Reflektion und Fortbildungsangebote unterstützen den Prozess.

Als Kita-Kulturlotsinnen und Kita-Kulturlotsen eignen sich pädagogische Fachkräfte mit und ohne Erfahrung in der Kindertagesbetreuung. Wichtig ist: „Es reicht nicht, wenn man bislang als Fachkraft in einer Kita gearbeitet hat. Man muss bestimmte persönliche Qualifikationen mitbringen“, erläutert Jana Tietje. Wichtig seien etwa interkulturelle Kompetenzen, Offenheit, Erfahrungen mit unterschiedlichen Kulturen sowie Freude im Umgang mit Menschen und eine ausgeprägte Netzwerkorientierung.

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